Ich bin mit einem krankhaft narzisstischen Vater aufgewachsen. Die ersten 20 Jahre meines Lebens waren gefüllt und gefärbt mit Frustration, Aggression, Anpassung und Resignation in jeweils voller Intensität. Heute bin ich knapp 40 Jahre alt, und viele Traumata meiner Kind- und Jugendzeit benötigten rückblickend ebenso viel Zeit zur Heilung wie die traumatische Zeit selbst andauerte.

Ich habe daher lange gezögert, einen Artikel über Narzissmus zu schreiben. Die Hilflosigkeit, die Selbstwertreduktion und die Gefangenschaft, die man dabei erfährt, münden zunächst nicht in den notwendigen Abstand, der nötig ist, um sachlich darüber zu berichten. Ich sehe es daher als Symptom meiner Heilung, heute einen Artikel über Narzissmus zu schreiben, der sachlich informiert und vielleicht sogar für etwas Mitgefühl für jene geplagten Menschen werben kann, auch wenn Abstand zu ihnen zwingend notwendig ist, um selbst gesund zu bleiben.

Hinweis: Der vorliegende Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keineswegs medizinischen oder therapeutischen Rat. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen sollte immer ein qualifizierter Gesundheitsdienstleister oder Therapeut konsultiert werden. Herzwandler leistet keine psychotherapeutischen Dienste.

Was ist Narzissmus und was nicht – Definition, Symptome, Missverständnisse

Narzissmus ist ein Begriff, der oft missverstanden und falsch interpretiert wird. Als Narzissten werden sowohl im Volksmund als auch in spirituellen Kreisen gern Menschen gesehen, die “keine Seele” oder “es auf Dich abgesehen” hätten. Selbstverständlich ist ersteres nicht der Fall und letzteres zu kurz gesprungen.

Gleichzeitig wird jedoch auch alltägliches, narzisstisches Verhalten mit Narzissmus gleichgesetzt. Das wiederum reduziert Menschen, die sich durchsetzen und zu Recht stolz auf ihre Leistungen sind, zu einem vermeintlich kranken Menschen. Dies ist mehr als nur zu kurz gesprungen.

Dieser Artikel soll daher zunächst einmal eine klare Linie zwischen narzisstischem Alltagsverhalten und eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) ziehen. Beginnen wir mit unserem Alltag.

Abgrenzung von narzisstischem Verhalten und Narzissmus

Wie geschrieben ist es wichtig zu erkennen, dass bestimmte Verhaltensweisen, die als narzisstisch angesehen werden können, von jedem Menschen in bestimmten Situationen aus emotionalen Gründen gezeigt werden. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Person tatsächlich narzisstisch ist. Hier sind einige Beispiele solcher Verhaltensweisen:

  • Das Bedürfnis nach Anerkennung: Jeder Mensch möchte ab und zu Anerkennung und Bestätigung für seine Leistungen oder Eigenschaften erhalten. Dies ist ein normaler Wunsch nach sozialer Bestätigung.
  • Verteidigung des eigenen Selbstbildes: In Situationen, in denen sich jemand bedroht oder kritisiert fühlt, kann es vorkommen, dass er sein Selbstbild vehement verteidigt, auch wenn dies übertrieben wirkt.
  • Gelegentliche Selbstüberschätzung: Manchmal überschätzen Menschen ihre Fähigkeiten oder Erfolge in bestimmten Bereichen. Dies kann aus dem Wunsch heraus geschehen, in einem positiven Licht gesehen zu werden.
  • Eifersucht oder Neid: Gefühle von Eifersucht oder Neid sind menschlich und treten auf, wenn man sich mit anderen vergleicht und sich benachteiligt fühlt.
  • Kontrolle in Beziehungen: Das Bedürfnis, Situationen oder Beziehungen zu kontrollieren, kann in Stresssituationen als Schutzmechanismus auftreten.
  • Aufmerksamkeit suchen: In bestimmten Momenten suchen Menschen nach Aufmerksamkeit, um sich bestätigt oder sicher zu fühlen, insbesondere in Gruppen oder sozialen Medien.

Diese Verhaltensweisen sind in Maßen normal und unterscheiden sich von den Mustern, die bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu beobachten sind. Die Fähigkeit, zwischen gelegentlichem narzisstischem Verhalten und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu unterscheiden, ist wesentlich, um seine Mitmenschen richtig einzuordnen.

Eigene Erfahrung: Als “Opfer” (aus spiritueller Sicht ist eine Opferhaltung nicht zielführend) narzisstischer Übergriffe ist es oft so, dass man sich eher schlecht dabei fühlt, die oben genannten Gefühle wie ein Bedürfnis nach Anerkennung für Leistung oder ein Autonomiebedürfnis in Beziehungen zu empfinden. Man möchte viel zu sehr “nicht narzisstisch” sein und begibt sich dann in einen gefährlich Bereich der Dissoziation. Oft dachte ich, dass es falsch sei, ein bestimmtes Bedürfnis zu haben. Bedürfnisse setzte ich mit narzisstischer Bedürftigkeit gleich und wollte “stark sein”, während wahre Stärke jedoch das Zulassen von Schwäche ermöglicht hätte. Es war falsch, meine Bedürfnisse zu unterdrücken. Wenn Du Opfer von Narzissmus geworden bist, solltest Du Dir im Klaren darüber sein, dass diese Gefühle normal sind und Du ok bist. Ein Narzisst definiert sich vor allem über einen Mangel an Empathie und andere Kriterien, die wir uns gleich ansehen.

Kriterien für die Diagnose einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Um sich von dem beschriebenen, gesellschaftlich entstellten Verständnis von Narzissmus abzugrenzen, hat die Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition [DSM-5] konkrete, klinische Kriterien zur Diagnose einer realen narzisstischen Persönlichkeitsstörung aufgestellt.

Grundsätzlich muss ein “anhaltendes Muster von Grandiosität, Bewunderung und mangelndem Mitgefühl” für andere Menschen gegeben sein.

Mindestens fünf der folgenden Kriterien (Symptome) muss für die Diagnose einer NPS vorliegen [Zitat aus DSM]:

  • Grandiosität: Ein übertriebenes, unbegründetes Gefühl der eigenen Bedeutung und Talente
  • Die Beschäftigung mit Phantasien von unbegrenzten Erfolgen, Einfluss, Macht, Intelligenz, Schönheit oder der vollkommenen Liebe
  • Der Glaube, dass sie speziell und einzigartig sind und sich nur mit den Menschen auf höchstem Niveau verbinden sollten
  • Der Wunsch bedingungslos bewundert zu werden
  • Ein Gefühl des Anspruchs
  • Ausnutzung anderer, um ihre eigenen Ziele zu erreichen
  • Ein Mangel an Empathie
  • Neid auf andere und der Glaube, dass andere sie beneiden
  • Überheblichkeit und Hoffart (verletzend überhebliches Betragen, anmaßender Stolz)

Außerdem müssen diese Symptome im frühen Erwachsenenalter begonnen haben.

Eigene Erfahrung: Mein Vater war beispielsweise überzeugt, dass er ausnahmslos alles kann (egal was es ist), er musste General der Armee werden (vor der Wende war er Oberst, danach war keine Zeit mehr), er war von seiner eigenen Einzigartigkeit in der Welt überzeugt, er musste für sein bloßes Sein bewundert werden, er forderte grenzenlosen Respekt ein, obwohl sein eigenes Verhalten anderen gegenüber von Respektlosigkeit, Grenzüberschreitung, emotionaler und weltlicher Ausbeutung und Überheblichkeit geprägt war. Diese Dinge treffen soweit noch auf viele Männer zu, die ambitioniert und selbstbewusst veranlagt sind. Vor allem aber besaß er keine Möglichkeit, die Gefühle anderer als überhaupt existent zu greifen. Jegliche Versuche seitens meiner Familie und mir, für die eigene Gefühlswelt einzustehen, mündete wörtlich in “Ach Quatsch, Mensch!” (das war tatsächlich sein Mantra). Mit dieser Art und Weise demontierte er jegliche familiäre Verbindung und traumatisierte unsere Familie, psychisch und körperlich.

Hieran sehen wir, dass nur ein vernichtend geringer Teil der Menschen, die wir in der Gesellschaft als “narzisstisch” bezeichnen, Narzissten sind. Jeder Mensch übt sich aus emotionalen Gründen mehr oder weniger häufig in einem Verhalten, das als narzisstisch angesehen werden kann. Doch das ist normal.

Krankheitsbild Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS)

Wir werden uns nun zu Ende mit dem Krankheitsbild der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung beschäftigen. Anschließend soll der Fokus auf den Auswirkungen und den Möglichkeiten all jener liegen, die einem Narzissten ausgesetzt sind. Ich werde die vorgestellten Inhalte jeweils mit eigenen Erfahrungen versehen.

Ursachen von Narzissmus

Um Narzissmus wirklich zu verstehen, ist es wichtig, seine Ursachen zu betrachten. Ein zentraler Aspekt liegt in der Kindheit und Jugend. Experten sind sich einig, dass narzisstische Verhaltensweisen häufig aus einer Kombination von genetischen, psychologischen und umweltbedingten Faktoren entstehen. Elterliches Verhalten spielt eine entscheidende Rolle: Eine übermäßige Bewunderung oder Vernachlässigung durch die Eltern kann bei einem Kind zu narzisstischen Tendenzen führen. Dies geschieht oft in Familien, in denen die äußere Erscheinung und Leistung übermäßig betont wird.

Ein weiterer Faktor kann in der genetischen Veranlagung liegen. Obwohl die Forschung in diesem Bereich noch nicht abschließend ist, deuten einige Studien darauf hin, dass genetische Komponenten eine Rolle spielen könnten. In jedem Fall spielen psychologische Faktoren wie ein geringes Selbstwertgefühl oder eine tiefe Unsicherheit eine Rolle. Menschen mit narzisstischen Zügen versuchen, diese Unsicherheiten durch übertriebene Selbstbewunderung und das Bedürfnis nach Anerkennung zu kompensieren. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, in dem die Person ständig Bestätigung von außen sucht, um ihr inneres Gleichgewicht zu halten und sich existent zu fühlen.

Eigene Erfahrung: In sehr seltenen Momenten wurde deutlich, dass mein Vater einen weitaus geringeren Selbstwert hatte, als er nach außen zu verstehen geben wollte. Aus meiner Sicht ist es definitiv so, dass ein Narzisst kein starkes Ego, sondern ein sehr schwaches Ego hat. Ich habe dazu hier schon etwas aus spiritueller Sicht geschrieben.

Es ist wichtig, bei der Betrachtung von Narzissmus ein differenziertes Bild zu zeichnen. Verständnis und Empathie für diejenigen, die mit diesen Herausforderungen kämpfen, sind entscheidend für eine heilsame Auseinandersetzung mit dem Thema. Wir dürfen als Gesellschaft erkennen, dass hinter der “narzisstischen Fassade” oft tiefe Verletzlichkeit und ein Bedürfnis nach Zuwendung stehen.

Diagnosemethoden

Die Diagnose von Narzissmus ist eine komplexe Angelegenheit, die Fachwissen und Sorgfalt erfordert. Es gibt verschiedene Methoden, um narzisstische Persönlichkeitsstörungen zu diagnostizieren. Eine häufig verwendete Methode ist die klinische Beurteilung durch einen erfahrenen Psychologen oder Psychiater. Diese Fachleute verwenden oft strukturierte Interviews und spezifische Fragebögen, um ein umfassendes Bild von der Persönlichkeit und dem Verhalten einer Person zu erhalten. Ein bekanntes Instrument in diesem Bereich ist das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen (DSM-5), das spezifische Kriterien für die Diagnose von Narzissmus bereitstellt.

Ein weiteres wichtiges Instrument sind Selbstbeurteilungsfragebögen. Diese ermöglichen es den Betroffenen, ihre eigenen Verhaltensweisen und Einstellungen zu reflektieren. Beispiele für solche Fragebögen sind der Narcissistic Personality Inventory (NPI) oder der Pathological Narcissism Inventory (PNI).

Diese Instrumente helfen dabei, verschiedene Aspekte des Narzissmus wie Großartigkeit, Empfindlichkeit gegenüber Kritik oder Ausnutzung zwischenmenschlicher Beziehungen zu messen.

Es ist jedoch zu beachten, dass die Diagnose nicht allein auf Selbstberichten basieren sollte. Eine umfassende Bewertung sollte auch Beobachtungen von Verhaltensweisen und die Berücksichtigung der Lebensgeschichte der Person einbeziehen. Hier spielen Faktoren wie frühere Beziehungen, familiäre Hintergründe und andere psychische Gesundheitsprobleme eine Rolle.

Die Diagnose von Narzissmus sollte nicht leichtfertig getroffen werden. Sie erfordert eine sorgfältige Abwägung aller Informationen und sollte idealerweise in einem unterstützenden therapeutischen Kontext erfolgen. Es ist entscheidend, eine Diagnose mit Mitgefühl und Verständnis anzugehen, um den Betroffenen den Weg zu Einsicht und möglicher Heilung zu ebnen.

Eigene Erfahrung: Wie ich später noch berichten werde, habe ich während meiner Teenie-Zeit eine Störung bei meinem Vater vermutet. Meine übrigen Familienmitglieder wie Onkel und Tanten fanden meinen Vater jedoch ganz normal. Nur wer näher und häufig mit ihm zu tun hatte, bemerkte seine krankhaften Züge. Es bedarf meines Erachtens einer intensiven Form des Kennenlernens einer Person, um seine wahren Züge (vor allem sein Potenzial zur Empathie) kennenzulernen.

Risikofaktoren

Die Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) kann durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden. Es ist wichtig zu verstehen, dass das Zusammenspiel dieser Faktoren komplex ist und nicht jeder, der diesen Risikofaktoren ausgesetzt ist, eine NPS entwickelt.

Einige der wichtigsten Risikofaktoren umfassen:

  • Familiäre Hintergründe: Kinder, die in einer Umgebung aufwachsen, in der exzessive Bewunderung oder übermäßige Kritik vorherrscht, können ein höheres Risiko haben, narzisstische Züge zu entwickeln. Ebenso kann eine familiäre Geschichte von psychischen Störungen, insbesondere bei den Eltern, das Risiko erhöhen.
  • Genetik: Obwohl die Rolle der Genetik bei NPS noch nicht vollständig verstanden wird, deuten einige Studien darauf hin, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten.
  • Kindheitstraumata: Traumatische Erfahrungen in der Kindheit, wie Missbrauch oder Vernachlässigung, können ebenfalls zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer NPS beitragen.
  • Soziokulturelle Faktoren: Leben in einer Gesellschaft, die Selbstverherrlichung, Erfolg und äußere Erscheinung betont, kann das Risiko für Narzissmus erhöhen.

Es ist wichtig, diese Risikofaktoren nicht als deterministisch zu betrachten. Sie erhöhen lediglich die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer NPS, bestimmen diese aber nicht allein. Jeder Mensch reagiert anders auf diese Einflüsse, und viele Menschen, die ähnlichen Bedingungen ausgesetzt sind, entwickeln keine NPS. Daher sollte der Fokus auf einem tiefen Verständnis und einer individuellen Betrachtung jeder Person liegen.

Die Auseinandersetzung mit diesen Risikofaktoren kann auch helfen, präventive Maßnahmen zu entwickeln, um die Entwicklung von narzisstischen Verhaltensweisen zu verhindern oder abzumildern. Dies ist besonders relevant in der Erziehung und in therapeutischen Kontexten, wo ein frühzeitiges Erkennen und Eingreifen entscheidend sein kann.

Eigene Erfahrung: Ich habe das Elternhaus meines narzisstischen Vaters selbst kennenlernen dürfen. Es war eine Mischung aus dem Erhalt von Anerkennung für erbrachte Leistungen und der typisch sozialistischen Idee, dass ein Kind gar kein vollwertiger Mensch sei. Aus meiner Sicht stellte dies eine Idealbedingung für die Entwicklung einer NSP dar. Es zeigte mir, dass man ein Kind nicht nur für Leistungen, sondern für seinen Wesenskern loben sollte.

Verlauf und Prognose

Der Verlauf und die Prognose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) sind stark individuell geprägt. Generell ist Narzissmus als Persönlichkeitsstörung eine langanhaltende Herausforderung, die tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben und die Beziehungen der Betroffenen haben kann. Wichtige Faktoren, die den Verlauf und die Prognose beeinflussen, umfassen:

  • Schweregrad der Störung: Menschen mit weniger ausgeprägten narzisstischen Zügen können oft besser im sozialen und beruflichen Umfeld funktionieren als jene mit schwereren Formen der NPS.
  • Bewusstsein und Einsichtsfähigkeit: Personen, die ein Bewusstsein für ihre Problematik entwickeln und bereit sind, an sich zu arbeiten, haben oft eine bessere Prognose.
  • Therapeutische Unterstützung: Professionelle Hilfe kann entscheidend sein. Therapieansätze, die auf die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen von Menschen mit NPS zugeschnitten sind, können positive Veränderungen unterstützen.
  • Soziales Umfeld: Ein unterstützendes soziales Umfeld kann den Heilungsprozess fördern, während ein konfliktreiches oder verstärkendes Umfeld den Verlauf negativ beeinflussen kann.

Es ist wichtig zu betonen, dass Narzissmus ein Spektrum darstellt. Während einige Menschen lebenslang mit herausfordernden Mustern kämpfen, können andere lernen, ihre narzisstischen Züge zu mildern und gesündere Beziehungsformen zu entwickeln. Die Prognose hängt stark von der Bereitschaft des Einzelnen ab, sich mit den eigenen Verhaltensweisen auseinanderzusetzen und Hilfe anzunehmen.

Es ist zu sagen, dass Narzissmus keine unveränderliche Diagnose darstellt. Mit geeigneten therapeutischen Interventionen, der Bereitschaft zur Selbstreflexion und der Unterstützung durch das soziale Umfeld können Betroffene bedeutende Fortschritte machen und ein erfüllteres Leben führen.

Eigene Erfahrung: Den Kontakt zu meinem Vater konnte ich nur gänzlich abbrechen. Nach der Trennung meiner Eltern und meiner ersten eigenen Wohnung war das sowohl möglich als auch heilsam. Es begann ein viele Jahre dauernder Heilungs- und Erkenntnisprozess, der bis heute anhält. Ich kann nicht abschließend beurteilen, ob der Narzissmus meines Vaters sich Stand heute verbessert haben mag, da wir eben keinen Kontakt mehr haben.

Was ich jedoch klar sagen kann ist, dass seine Art und Weise, uns als Familie zu manipulieren, immer intensiver und für uns alle schmerzhafter wurde, je älter er zuletzt wurde. Ich hatte daher auch kein Interesse daran herauszufinden, ob er seine Heilung gefunden hat oder nicht. Seine Fähigkeit zur Einsicht lag bei null.

Therapiemethoden

Die Behandlung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) erfordert eine spezifische und oft langfristige therapeutische Herangehensweise. Es gibt verschiedene Therapiemethoden, die sich als wirksam erwiesen haben. Jede Methode zielt darauf ab, die Selbstwahrnehmung zu verbessern, gesündere Beziehungsmuster zu fördern und dysfunktionale Denk- und Verhaltensweisen zu verändern. Einige etablierte Therapiemethoden umfassen:

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Diese Methode hilft Betroffenen, schädliche Denkmuster zu erkennen und zu verändern. Sie fokussiert sich auf die Herausforderung von übertriebenen Selbstbildern und das Erlernen von Empathie und Rücksichtnahme.
  • Tiefenpsychologische Therapie: Diese Form der Therapie zielt darauf ab, unbewusste Konflikte und frühe traumatische Erlebnisse, die zur Entwicklung der NPS beigetragen haben könnten, zu erkunden und zu bearbeiten.
  • Gesprächstherapie: Hier steht der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zum Therapeuten im Vordergrund, um ein sicheres Umfeld für Selbstreflexion und persönliches Wachstum zu schaffen.
  • Gruppentherapie: In einer Gruppe mit anderen Betroffenen können Menschen mit NPS soziale Interaktionen und zwischenmenschliche Fähigkeiten in einem kontrollierten Rahmen üben.

Wichtig ist, dass eine Therapie immer individuell angepasst sein sollte, da die Ausprägung und die Bedürfnisse von Person zu Person variieren. Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist die Bereitschaft des Betroffenen, sich mit sich selbst und seinen Verhaltensweisen auseinanderzusetzen. Dies erfordert oft Geduld und Ausdauer sowohl von den Therapeuten als auch von den Betroffenen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einbeziehung des sozialen Umfelds. Angehörige und nahestehende Personen können eine wichtige Rolle im Therapieprozess spielen, indem sie Unterstützung bieten und gleichzeitig gesunde Grenzen setzen.

Eigene Erfahrung: In meiner Kind- und Jugendzeit konnte ich trotz vielfältiger Bemühungen keinen Kontakt zum realen Innenleben meines narzisstischen Vaters herstellen. Unterstützungsmöglichkeiten waren daher kaum vorhanden, abseits der Idee, die Symptome nicht zu provozieren und ihnen rechtzeitig aus dem Weg zu gehen. Das Setzen der eigenen Grenzen stand hierbei im Vordergrund.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Behandlung von Narzissmus eine komplexe und vielschichtige Aufgabe ist. Sie erfordert eine auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Therapie, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und oft auch die Unterstützung durch das soziale Umfeld.

Präventionsmaßnahmen

Die Prävention einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) beginnt idealerweise in der Kindheit und setzt sich im Laufe des Lebens fort. Es geht darum, Bedingungen zu schaffen, die eine gesunde emotionale Entwicklung fördern und das Risiko der Entwicklung von narzisstischen Verhaltensmustern reduzieren. Einige Schlüsselstrategien für die Prävention sind:

  • Gesunde Erziehung: Ein ausgewogener Erziehungsstil, der weder übermäßige Bewunderung noch überkritische Haltung fördert, kann entscheidend sein. Kinder sollten lernen, sowohl Erfolge als auch Misserfolge zu akzeptieren und Selbstwert nicht ausschließlich über Leistung oder Anerkennung von anderen zu definieren.
  • Emotionale Intelligenz fördern: Das Erlernen von Empathie, Selbstreflexion und emotionalem Verständnis von einem frühen Alter an kann helfen, narzisstische Tendenzen zu vermeiden. Kinder und Jugendliche sollten ermutigt werden, über ihre Gefühle zu sprechen und diese zu verstehen.
  • Soziale Kompetenzen stärken: Die Förderung von Teamarbeit, Kooperation und zwischenmenschlichen Fähigkeiten trägt dazu bei, ein ausgeglichenes Selbstbild und die Fähigkeit zur Rücksichtnahme zu entwickeln.
  • Frühzeitiges Eingreifen bei Anzeichen von NPS: Bei ersten Anzeichen narzisstischer Verhaltensweisen sollten Fachleute hinzugezogen werden. Frühzeitige Interventionen können helfen, die Entwicklung einer voll ausgeprägten NPS zu verhindern oder abzumildern.

Prävention sollte auch das gesellschaftliche Umfeld berücksichtigen. Eine Kultur, die Vielfalt, Kooperation und zwischenmenschlichen Respekt fördert, kann das Risiko für die Entwicklung narzisstischer Persönlichkeitsstörungen verringern. Medien und Bildungseinrichtungen spielen hierbei eine wichtige Rolle, indem sie realistische und vielfältige Rollenmodelle präsentieren und Wert auf Charakterbildung legen.

Eigene Erfahrung: Mein Vater gab seine erhaltene, sowjetische Form der “Erziehung” an mich weiter, ob bewusst oder unbewusst. Ich musste daher für “Eigenprävention” sorgen, was im Kindesalter naturgemäß gar nicht möglich war, und im Jugendalter darin mündete, dass ich mich frühzeitig mit Psychologie und psychischen Störungen beschäftigte. Meiner Mutter habe ich im Alter von 17 Jahren von der Vermutung einer Narzissmus-Störung meines Vaters, d.h. ihres Partners berichtet.

Es veränderte an der toxischen Familiensituation nichts, gab mir selbst aber etwas Stabilität dahingehend zurück, als dass ich so Gewissheit darüber erlangen konnte, dass das Problem nicht bei mir liegt, auch wenn mir dies durch meinen Vater stets vermittelt wurde. Der Prozess den eigenen, realen Selbstwert tatsächlich greifen und glauben zu können, dauerte jedoch sehr, sehr lange. Er begann erst nachdem der Kontakt mit meinem Vater gänzlich abgebrochen war. Vorher war nur Schadensbegrenzung möglich.

Zusammenfassend ist Prävention ein vielschichtiger Prozess, der sowohl das familiäre Umfeld als auch gesellschaftliche Strukturen umfasst. Durch die Förderung gesunder emotionaler Entwicklung und sozialer Kompetenzen kann das Risiko für die Entstehung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung reduziert werden.

Komplikationen

Narzisstische Persönlichkeitsstörungen (NPS) können eine Reihe von Komplikationen mit sich bringen, die sowohl die Betroffenen selbst als auch ihr Umfeld betreffen. Diese Komplikationen können tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensqualität, zwischenmenschliche Beziehungen und das berufliche Fortkommen haben. Einige der häufigsten Komplikationen umfassen:

  • Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen: Menschen mit NPS neigen oft zu manipulativem oder ausbeuterischem Verhalten, was zu Konflikten und Problemen in Beziehungen führen kann. Langfristig können solche Muster zu sozialer Isolation führen.
  • Emotionale Probleme: Trotz ihres äußerlich selbstsicheren Auftretens können Menschen mit NPS unter einem geringen Selbstwertgefühl und innerer Leere leiden. Dies kann zu Depressionen, Angstzuständen und in einigen Fällen auch zu Selbstverletzungen führen.
  • Probleme im Berufsleben: Narzisstische Tendenzen wie ein Bedürfnis nach ständiger Bewunderung und Schwierigkeiten, Kritik zu akzeptieren, können zu Problemen am Arbeitsplatz führen.
  • Suchtverhalten: Einige Menschen mit NPS neigen zu Suchtverhalten, um mit ihren emotionalen Schwierigkeiten umzugehen. Dazu können Alkohol-, Drogenmissbrauch oder andere Formen der Sucht gehören.
  • Komorbiditäten: Narzissmus kann mit anderen psychischen Störungen einhergehen, wie zum Beispiel affektiven Störungen, anderen Persönlichkeitsstörungen oder Essstörungen.

Es ist entscheidend, dass diese Komplikationen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Eine umfassende Behandlung, die sowohl die NPS als auch die begleitenden psychischen Probleme adressiert, kann dabei helfen, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und langfristige Gesundheitsrisiken zu verringern.

Die Unterstützung durch Familie, Freunde und professionelle Helfer kann für Menschen mit NPS von unschätzbarem Wert sein. Sie bietet nicht nur emotionale Unterstützung, sondern kann auch dabei helfen, gesunde Verhaltensweisen zu fördern und den Umgang mit den Herausforderungen, die mit der Störung einhergehen, zu verbessern.

Eigene Erfahrung: Mein Vater hatte starke Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, die mit steigendem Alter zunahmen. Er hatte emotionale Probleme, die er versuchte zu verbergen. Suchtverhalten zeigte er nicht. Ich kann jedoch klar sagen, dass er Unterstützung von der Familie abgelehnt hätte, selbst wenn man sie ihm angeboten hätte. Das war evident durch die fehlende Einsicht im Großen und die Unfähigkeit zur Einbeziehung von Unterstützung im Kleinen.

Auswirkungen von Narzissmus auf Angehörige und Partner

Der Umgang mit einer Person, die an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) leidet, kann für Angehörige und Partner eine enorme Herausforderung sein. Die Auswirkungen von Narzissmus auf das nähere Umfeld sind vielfältig und oft tiefgreifend. Einige der häufigsten Auswirkungen umfassen:

  • Emotionale Belastung: Die ständige Konfrontation mit der Forderung nach Bewunderung und der mangelnden Empathie des narzisstischen Partners kann emotional sehr belastend sein. Angehörige können Gefühle von Wertlosigkeit, Frustration, Wut, Isolation und/oder Hilflosigkeit erleben.
  • Konflikte und Spannungen: Narzisstische Verhaltensweisen wie Kritikunfähigkeit, Überheblichkeit oder manipulatives Verhalten können zu häufigen Konflikten und Spannungen in der Beziehung führen.
  • Vernachlässigung eigener Bedürfnisse: Partner und Angehörige neigen oft dazu, ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu vernachlässigen, um Konflikte zu vermeiden oder den narzisstischen Partner zufriedenzustellen.
  • Psychische Gesundheitsprobleme: Der langfristige Umgang mit einem narzisstischen Partner kann zu eigenen psychischen Problemen führen, wie Depressionen, Angstzuständen oder einem verminderten Selbstwertgefühl.
  • Probleme in der Erziehung: Kinder, die mit einem narzisstischen Elternteil aufwachsen, können spezifische emotionale und verhaltensbezogene Probleme entwickeln.

Es ist wichtig, dass Angehörige und Partner sich der Auswirkungen bewusst sind und Unterstützung suchen. Selbstfürsorge, das Setzen von Grenzen und gegebenenfalls professionelle Hilfe sind entscheidende Schritte, um mit den Herausforderungen umzugehen. In manchen Fällen kann auch eine Paar- oder Familientherapie hilfreich sein, um die Dynamiken innerhalb der Beziehung zu verstehen und zu verbessern.

Die Unterstützung durch ein Netzwerk aus Familie, Freunden und professionellen Helfern kann für Angehörige von unschätzbarem Wert sein. Sie bietet emotionale Unterstützung, fördert ein besseres Verständnis der Situation und hilft dabei, gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Symptome von narzisstischem Missbrauch eines Kindes

Kinder, die mit einem narzisstischen Elternteil aufwachsen, können langfristige Auswirkungen erleben, die ihre Entwicklung und spätere zwischenmenschliche sowie romantische Beziehungen beeinflussen. Narzisstischer Missbrauch in der Kindheit kann subtil oder offensichtlich sein und hinterlässt oft tiefe emotionale Narben. Einige der Symptome und Auswirkungen können sein:

  • Geringes Selbstwertgefühl: Kinder von Narzissten lernen möglicherweise, dass ihre Bedürfnisse und Gefühle weniger wichtig sind. Dies kann zu einem geringen Selbstwertgefühl und Selbstzweifeln führen.
  • Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen: Die Erfahrung, dass ein Elternteil unzuverlässig oder emotional nicht verfügbar ist, kann dazu führen, dass diese Kinder im Erwachsenenalter Schwierigkeiten haben, anderen zu vertrauen. Das Urvertrauen fehlt.
  • Angst vor Zurückweisung und Abhängigkeitsprobleme: Ein tief sitzendes Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe kann zu Angst vor Zurückweisung und zu abhängigen Beziehungsmustern führen.
  • Konfliktvermeidung und Unterwürfigkeit: Um Konflikte zu vermeiden, können diese Kinder lernen, unterwürfig zu sein und ihre eigenen Bedürfnisse und Meinungen zurückzustellen.
  • Ständiger Kampf um die Oberhand: Alternativ zur Unterwürfigkeit können Kinder, die stark auf die eigene Unversehrtheit achten, lernen, sich zu aggressiv durchzusetzen. Ironischer Weise führt das zur Aufrechterhaltung innerer Konflikte und der Unterstellung, die gesamte Welt sei konsequent gegen das eigene Wohl ausgerichtet. Auch das mündet in keine sehr sozial verträgliche Art.
  • Probleme in romantischen Beziehungen: Die in der Kindheit erlernten Muster können zu dysfunktionalen Beziehungsmustern im Erwachsenenalter führen, wie das Anziehen von Partnern, die ebenfalls narzisstische Züge aufweisen. Auch kann man Partner anziehen, die durch eigene Traumata emotional nicht voll verfügbar sind, wodurch eine Dynamik entsteht, bei der man selbst wieder dafür arbeiten muss, geliebt zu werden — ganz wie es die eigene Prägung aus der Kindheit fordert.
  • Emotionale Regulationsschwierigkeiten: Kinder von Narzissten können Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Emotionen zu regulieren und auszudrücken, da ihnen dies in der Kindheit nicht angemessen beigebracht wurde.

Die Auseinandersetzung mit diesen frühen Erfahrungen kann schmerzhaft sein, aber sie ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Heilung. Das Verständnis und die Aufarbeitung der Vergangenheit ermöglichen es, sich von den negativen Mustern zu lösen und ein erfüllteres, gesünderes Leben zu führen.

Umgangsmöglichkeiten für Angehörige

Angehörige von Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) stehen vor besonderen Herausforderungen. Der Umgang mit einem narzisstischen Familienmitglied oder Partner erfordert oft viel Geduld, Verständnis und Resilienz. Es gibt verschiedene Strategien, die helfen können, die Situation zu bewältigen und die eigene psychische Gesundheit zu schützen:

  • Grenzen setzen: Es ist wichtig, klare Grenzen zu setzen und diese auch konsequent zu verteidigen. Dies hilft, sich vor emotionaler Ausbeutung und Manipulation zu schützen.
  • Information und Aufklärung: Sich über Narzissmus und seine Auswirkungen zu informieren, kann helfen, das Verhalten des narzisstischen Angehörigen besser zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren.
  • Unterstützung suchen: Der Austausch mit anderen Betroffenen, sei es in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren, kann entlastend wirken und neue Perspektiven eröffnen.
  • Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, professionelle psychologische Unterstützung zu suchen. Dies kann dabei helfen, eigene Verhaltensmuster zu verstehen und zu ändern.
  • Eigene Bedürfnisse nicht vergessen: Selbstfürsorge ist entscheidend. Angehörige sollten darauf achten, ihre eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen und sich regelmäßig Auszeiten gönnen.
  • Kommunikationstechniken erlernen: Effektive Kommunikationstechniken können helfen, Konflikte zu minimieren und den Umgang mit dem narzisstischen Angehörigen zu verbessern.
  • Realistische Erwartungen haben: Es ist wichtig zu akzeptieren, dass man das Verhalten des narzisstischen Angehörigen nicht kontrollieren oder ändern kann. Der Fokus sollte auf dem eigenen Wohlbefinden und dem Umgang mit der Situation liegen.

Der Umgang mit einem narzisstischen Angehörigen kann eine langfristige Herausforderung sein. Es ist wichtig, sich selbst nicht zu vergessen und auf die eigene psychische und emotionale Gesundheit zu achten. Angehörige sollten sich bewusst sein, dass sie Unterstützung verdienen und diese auch aktiv suchen sollten.

Meine eigenen Erfahrungen

Wie in den Anmerkungen zur eigenen Erfahrungen weiter oben sicher schon deutlich wurde, waren die Auswirkungen der narzisstischen Störung meines Vaters auf uns als Familie enorm. Meine Mutter übernahm toxische Persönlichkeitsanteile meines Vaters. Meine Schwester entwickelte ein stark verstandsbezogenes Dasein. Ich selbst konnte meine eigenen Bedürfnisse lange Zeit entweder nicht oder nur zu aggressiv vertreten. Viele verschiedene Ereignisse mündeten in emotional schmerzhafte Umstände und Traumata.

Das einschlägigste Ereignis, das mich zur verbalen Explosion brachte, war ein Würgeangriff meines Vaters auf mich im Alter von 20 Jahren. Ich habe ihn einen Tag später vor meiner Mutter und meiner damaligen Freundin lautstark zur Rede gestellt. Naturgemäß versuchte er sich durch Lügen und Rationalisierung aus der Schlinge zu ziehen und sagte tatsächlich wörtlich: “Du bist wohl kaum blau angelaufen, so schlimm konnte es nicht gewesen sein”

Durch diesen Satz meines Vaters war schließlich auch meine Mutter überzeugt von seiner narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Ich wandte meinen Blick zu ihr und habe ihr gesagt: “Mama, trenn Dich von diesem Mann!”, was sie dann auch tat. Mein Vater war nach diesem Tag für mich nur noch körperlich existent.

Aus diesem Grund ist es für mich heute auch nicht leicht zu lesen, wie schnellfüßig und inflationär das Wort “Narzisst” derzeit gebraucht wird. Natürlich wird narzisstisches Verhalten als eine der vielen Formen des sozialen Überlebens und der Kompensation der eigenen unbeleuchteten Anteile heute deutlicher, weil man mehr darauf achtet als früher. Doch Narzissten sind nicht das, was der Volksmund glaubt. In einem Kind verursachen sie immens große emotionale Schäden. Auch gibt es keine Umarmung, keine lieben Worte und keine emotionale Präsenz, die einen Ausgleich schaffen würden.

Die entstehenden Traumata beeinflussen die eigenen Beziehungen noch sehr lange Zeit, wie es auch bei mir der Fall war. Jede Freundin, die ich seither hatte, musste einen Teil dieses Pakets mittragen. Hier hätte etwas mehr Einsicht für die Möglichkeit, noch immer im Überlebensmodus zu stecken, mir gut gestanden. Man hält viele wehrhafte Verhaltensweisen viel länger für notwendig, als sie es letztlich sind.

Die Auswirkungen eines echten Narzissten auf die eigene psychische Gesundheit sind nicht zu unterschätzen. Es ist gut, dass die Gesellschaft heute einen schärferen Blick auf narzisstisches Verhalten hat. Es ist jedoch Vorsicht bei der Diagnose einer narzisstischen Störung durch Laien angezeigt.

Was die eigenen Möglichkeiten angeht, die zu starke Ausprägung eigener narzisstischer Tendenzen einzudämmen, kann ich folgende Punkte empfehlen:

  • Führe ein Tagebuch. Schreib darin alles auf, was Du denkst und vor allem was Du fühlst. Nimm diese Gefühle ernst, wenn es sonst niemand tut.
  • Übe Dich in regelmäßiger Meditation. Sie hilft Dir, Dich zu ordnen und eine Perspektive außerhalb des eigenen Leids anzunehmen.
  • Auch wenn narzisstische Übergriffe emotional schädlich sind, bleiben sie aus einer höheren Perspektive ein Geschenk: Du kannst lernen, Dich abzugrenzen, Deinen Gefühlen gegenüber achtsam zu bleiben und Dein wahres Selbst zu schätzen und zu lieben — Dir also das zu geben, was Dir verweigert wurde.
  • Auch wenn es sich für Dich jetzt noch nicht danach anfühlen mag: Auch Mitgefühl kannst Du lernen. Narzissten erleben ein qualvolles Dasein. Wenn Du erkannt hast, dass Du daran nicht schuld bist, kannst Du ohne Hass und ohne Aggression auf die Probleme Deiner Vergangenheit blicken. Es wird Dein Leben entspannter machen. Dein Nervensystem wird es Dir danken.
  • Gefühle werden stärker, wenn sie verdrängt werden. Fühle daher jedes Gefühl, das in Dir aufkommt, auch tatsächlich durch. Was soll passieren? Gefühle sind wie Wolken, die vorbeiziehen, wenn man sie lässt. Sie zu ignorieren lässt sie länger die Sonne verdecken.
  • Umarme Dein inneres Kind. Am besten täglich. Es konnte nichts dafür. Über. Haupt. Gar. Nichts.
  • Erziehe Dein eigenes Kind zwar besser, aber bereite es dennoch auf das Leben vor, das es erwartet. Mehr dazu…
  • Immer daran denken: “Na einai kalytero anthropo apo ton patera tou” — Griechisch, grob übersetzt: “Sei ein besserer Mensch als Dein Vater” [aus der Serie “Fringe”]
  • Deine Realität gehört allein Dir. Du bist kein Opfer, sondern hast die freie Wahl! (Auch in spirituellen Kreisen wird das so nicht gelebt…)

Aktuelle Forschung und Entwicklung

Die aktuelle Forschung zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) befasst sich unter anderem mit den strukturellen Veränderungen im Gehirn. Eine Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat gezeigt, dass Patienten mit NPS eine Verringerung der grauen Substanz in einem für Empathie relevanten Bereich des Gehirns aufweisen. Dieser Befund korreliert mit einem Mangel an Empathie, der als eines der Kernmerkmale von NPS gilt. Die Forscher nutzen Magnetresonanztomographie, um die Hirnstruktur zu analysieren und fanden heraus, dass bei NPS-Patienten bestimmte Gehirnregionen, die in die Verarbeitung und Erzeugung von Mitgefühl involviert sind, strukturelle Auffälligkeiten aufzeigen​​.

Der sonstige Forschungsstand hinsichtlich NSP ist nicht sehr weit fortgeschritten, was durch die Komplexität der Erkrankung begründet sein kann. Weitere Studien sollten abgewartet werden. Sie werden an dieser Stelle fortlaufend ergänzt, sofern sie neue Erkenntnisse vermitteln können.

Das kleine Fazit

Narzissmus, eine komplexe und vielschichtige Persönlichkeitsstörung, hat tiefe Auswirkungen auf das Individuum und sein Umfeld. Die Ursachen sind multifaktoriell, wobei Kindheitserlebnisse, genetische Prädispositionen und soziokulturelle Einflüsse eine Rolle spielen. Diagnostisch wird auf klinische Beurteilungen, strukturierte Interviews und spezifische Fragebögen zurückgegriffen, wobei eine umfassende und differenzierte Betrachtung essentiell ist. Die Prognose ist individuell, hängt von verschiedenen Faktoren wie dem Schweregrad und der Therapiebereitschaft ab und kann sich über die gesamte Lebensspanne erstrecken.

Therapeutische Ansätze, wie die kognitive Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Methoden und Gesprächstherapie, sind zentral für die Behandlung. Sie zielen darauf ab, dysfunktionale Denkmuster zu verändern und gesündere Beziehungsmuster zu fördern. Präventionsmaßnahmen, insbesondere in der Kindheit, können das Risiko der Entwicklung narzisstischer Züge verringern. Hierbei spielen ein ausgewogener Erziehungsstil, die Förderung emotionaler Intelligenz und sozialer Kompetenzen eine Schlüsselrolle.

Die Komplikationen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind vielfältig und reichen von Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen über emotionale Probleme bis hin zu Suchtverhalten. Betroffene und ihr Umfeld erleben oft eine erhebliche psychische Belastung. Für Angehörige ist es wichtig, Grenzen zu setzen, sich zu informieren und Unterstützung zu suchen, um eigene psychische Gesundheit zu schützen und effektiv mit der Herausforderung umzugehen.

Die Auswirkungen von narzisstischem Missbrauch in der Kindheit sind besonders prägend. Kinder narzisstischer Eltern können langfristige emotionale und psychische Folgen erleben, die ihre späteren Beziehungen beeinflussen. Selbstwertprobleme, Vertrauensschwierigkeiten und emotionale Regulationsschwierigkeiten sind häufige Symptome. Professionelle therapeutische Unterstützung kann entscheidend für die Heilung und Entwicklung gesunder Beziehungsmuster sein.

Aktuelle Forschungen zeigen, dass Narzissmus mit strukturellen Veränderungen im Gehirn verbunden ist, insbesondere in Regionen, die für Empathie relevant sind. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Wege für das Verständnis und die Behandlung der Störung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Narzissmus eine ernstzunehmende und komplexe Störung ist, die ein tiefgehendes Verständnis und einen differenzierten Umgang erfordert. Die Integration verschiedener therapeutischer Ansätze, Präventionsmaßnahmen und die Unterstützung des sozialen Umfelds sind wesentlich für eine effektive Behandlung und Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

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Wichtiger Hinweis — Psychotherapeutische Maßnahmen sind oft sinnvoll und notwendig. Sobald Du feststellst, dass Du einen Leidensdruck (beispielsweise durch eine Depression oder einen Burnout oder andere Themen) verspürst, ist ein Gespräch mit einem professionellen Psycho-Therapeuten dringend angezeigt. Spirituelle "Selbstverbesserung" ist hier nicht ratsam. Der Grund ist, dass Spiritualität im Falle psychischer Erkrankungen oft als Zuflucht und damit der Vermeidung dient. Gleichzeitig können sich Deine Symptome verschlimmern, denn es gibt einen Grund, weshalb Du Deine aktuellen Erschwernisse in Dir trägst. Bitte unterschätze daher nicht, was ein Psycho-Therapeut für Dich tun kann.

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Letzte Prüfung dieses Beitrags: 5. Juni 2024

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2 Kommentare:

  1. Herzwandler
    Herzwandler

    5. Februar 2024 um 22:43 Uhr

    Danke Angelika, ich kann Dich sehr gut verstehen. Man kann es nur nachfühlen wenn man es selbst erlebt hat, aber wir sind nicht allein. Kraft und Liebe für Deinen Weg – Erik

  2. Profilbild von albenengel
    albenengel

    4. Februar 2024 um 17:31 Uhr

    meine Mutter zeigte narzisstische Verhaltensweisen (z.B. fehlende Empathie), wodurch ich schwer traumatisiert wurde

    ich selbst neige auch zu narzisstischem Verhalten (gelernt ist gelernt)

    vielen Dank für diesen interessanten Artikel

    Angelika

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