Die Polyamore Beziehung

Beziehungen sind eine besonders tief wirksame Form der Selbsterkenntnis. Denn nirgends wird uns unser Innenleben so stark zurück gespiegelt wie in einem romantischen, engen Miteinander. Das kann einem viel über sich selbst sagen — darunter Dinge, die wir direkt mögen, als auch Dinge, an denen wir noch wachsen können.

In positiven Beziehungen steht Wachstum an oberster Stelle. Toxische Beziehungen wiederum stellen dieses Wachstum auf indirekte Weise zu. Im vorliegenden Artikel wollen wir uns nun mit einer ganz besonderen Form der Beziehung widmen — der polyamoren Beziehung.

Hinweis: Der vorliegende Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keineswegs medizinischen oder therapeutischen Rat. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen sollte immer ein qualifizierter Gesundheitsdienstleister oder Therapeut konsultiert werden.

Die Polyamorie in Abgrenzung zu anderen Beziehungsformen

Zunächst einmal darf Polyamorie nicht verwechselt werden mit einer offenen Beziehung. Auch wenn beide Formen der Beziehung gemeinsam haben, dass man keinen exklusiven körperlichen Anspruch auf einen Partner erhebt und somit nicht dem traditionell monogamen Modell zwischenmenschlicher Liebe unterliegt, gibt es dennoch Unterschiede.

Eine offene Beziehung meint in erster Linie, dass zwei Menschen zwar “zusammen” sind, jedoch zulassen, dass beide Partner zusätzliche (soziale und/oder sexuelle) Kontakte zu anderen Menschen pflegen. Im emotionalen Sinne wird dennoch meist ein gewisses Maß Exklusivität gefordert.

Wer polyamorös lebt, einigt sich jedoch vielmehr zu dritt (oder zu viert) darauf, dass eine Person mehrere Partner liebt (mit emotionalem und sexuellem Kontakt) und somit mehrere parallele, ernsthafte Liebesbeziehungen führt. In weiterer Abgrenzung zu einer Affäre ist dies jedoch allen Beteiligten nicht nur bekannt, sondern es wird auch aktiv und längerfristig so gelebt.

Psychologische Ursachen für Polyamorie

Wenn wir nach den Ursachen fragen, ist es wichtig zu betonen, dass Polyamorie eine gültige und bewusste Wahl vieler Menschen ist, um erfüllende Beziehungen zu führen. Doch wie bei jeder Beziehungsform, können auch bei Polyamorie unterschiedliche psychologische Faktoren eine Rolle spielen. Hier ist eine warmherzige Auflistung möglicher psychologischer Ursachen, die manche Menschen dazu bewegen könnten, Polyamorie zu praktizieren:

  1. Streben nach emotionaler Erfüllung: Du könntest feststellen, dass Dein Herz so viel Liebe zu geben hat, dass es sich nicht auf eine Person beschränken möchte. Polyamorie kann für Dich ein Weg sein, Dein Bedürfnis nach vielfältigen emotionalen Verbindungen zu stillen.
  2. Selbsterkundung und persönliches Wachstum: Vielleicht siehst Du Polyamorie als eine Reise an, auf der Du Dich selbst besser kennenlernen und entwickeln kannst. Die Vielfalt an Beziehungen könnte Dir dabei helfen, unterschiedliche Seiten von Dir selbst zu entdecken und zu entfalten.
  3. Angst vor Einsamkeit: In manchen Fällen könnte hinter dem Wunsch nach mehreren Partnerschaften auch die Angst stehen, allein zu sein. Mehrere Beziehungen bieten Dir möglicherweise ein Sicherheitsnetz.
  4. Abwehr von Monogamie: Vielleicht hast Du in monogamen Beziehungen Einschränkungen erfahren, die Dir nicht entsprechen. Polyamorie kann für Dich eine Art sein, Dich gegen traditionelle Beziehungsstrukturen und die damit verbundenen Erwartungen zu stellen.
  5. Bedürfnis nach Anerkennung und Bestätigung: Manche Menschen finden in Polyamorie eine Quelle der Anerkennung und des Selbstwerts, indem sie von mehreren Partnern Liebe und Wertschätzung erfahren.
  6. Geschichte persönlicher Bindungen: Deine früheren Erfahrungen und die Bindung zu Deinen Eltern oder wichtigen Bezugspersonen können Deine Sicht auf Beziehungen und damit auch Deine Neigung zu Polyamorie beeinflussen.
  7. Soziale und kulturelle Einflüsse: Die Gesellschaft und Kultur, in der Du aufgewachsen bist, können Deine Ansichten über Beziehungen geformt haben. Möglicherweise empfindest Du Polyamorie als eine natürlichere oder authentischere Lebensweise.
  8. Wunsch nach Vielfalt: Du könntest das Bedürfnis haben, unterschiedliche Aspekte von Intimität und Partnerschaft mit verschiedenen Menschen zu erleben, was in einer monogamen Beziehung nicht immer möglich ist.
  9. Furcht vor Verpflichtung: Manchmal kann der Wunsch, polyamor zu leben, auch aus einer Scheu vor zu enger Bindung oder der Verpflichtung gegenüber nur einer Person herrühren.
  10. Kommunikation und Offenheit: Vielleicht schätzt Du transparente und offene Kommunikation, die in vielen polyamoren Beziehungen als Grundstein gilt, und siehst darin eine Bereicherung für Dein Leben.

Es ist wie so oft von zentraler Bedeutung, sich selbst mit Mitgefühl und Offenheit zu begegnen, wenn Du über Deine eigenen Beweggründe und Bedürfnisse nachdenkst. Jeder Mensch und jede Beziehungsform ist einzigartig und verdient es, ohne Vorurteile betrachtet zu werden. Wenn Du Dich auf dem Weg der Polyamorie befindest, kann es hilfreich sein, mit einem verständnisvollen Therapeuten oder einer Selbsthilfegruppe zu sprechen, um Deine Gefühle und Motivationen zu erforschen.

Ursachen für die Seltenheit polyamorös lebender Menschen

Polyamore Beziehungen sind nicht sehr weit verbreitet. Das Netzwerk “Polyamores Netzwerk e.V.” hat bislang beispielsweise 2.000 Teilnehmer in seinen Treffen angezogen. Für einen Verein ist dies recht viel, gemessen an der Bevölkerung ist es aber natürlich nur ein sehr kleiner Anteil.

Das hat einerseits Gründe in der Sozialisierung. Viele Menschen trauen sich nicht, ihre präferierte Form des Lebens aktiv auszudrücken, da sie sich gesellschaftlichen Normen unterlegen fühlen. Andererseits ist es jedoch auch eine Frage der inneren Reife, keinen exklusiven Anspruch auf eine Person zu hegen.

Letzteres ist auch der Grund dafür, dass Affären (im Sinne heimlicher sexueller Kontakte und einem gewissen Grad emotionaler Nähe) heimlich gelebt werden. Auch das ist eine Form der Beziehung, die jedoch meist aus Verlustangst des eigentlichen Partners wieder beendet wird. Man weiß schließlich um die Präferenzen seines Geliebten und möchte ihn weder verletzen noch Gefahr laufen, sich zu verlieren.

Drei Rosen

Natürliche Dreier-Beziehung

Eine besondere Form der Bewusstseinsreife

Jene eher auf Angst basierende Haltung ist in polyamorös lebenden Menschen nicht unbedingt vorhanden. Sie stehen aktiv dazu, nicht monogam zu leben. Sowohl im emotionalen als auch im sexuellen Sinne möchten sie keine Dogmen, sondern Freiheit leben. Sie legen zeitgleich jedoch großen Wert auf den Erhalt dieser besonderen Beziehung. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass sich sehr besondere Menschen zu einer polyamoren Beziehung zusammen finden müssen. Dieses Gut soll nicht sofort über Bord geworfen werden.

Dieser Wille zur Aufrechterhaltung des Miteinanders ist der Präferenz monogam lebender Paare sehr ähnlich. Jedoch unterscheidet man sich eben in der Überzeugung, dass man sich nicht auf eine einzige Person beschränken muss. Damit dies funktionieren kann ist jedoch eine besondere emotionale Reife unabdingbar.

Auch gilt es sich vor Augen zu führen, dass insbesondere das Besprechen jener Dinge, die eine polyamore Beziehung ausmachen, Priorität hat: Eifersucht, Grenzen und Verantwortung innerhalb dieses speziellen Miteinanders dürfen nicht verschwiegen werden. In gewisser Weist ist ein polyamoröses Leben etwas für Beziehungsprofis.

Die Vor- und Nachteile der polyamoren Beziehung

Menschen, die über viele Jahre hinweg eine monogame Beziehung führen, erkennen oftmals, dass sie etwas vermissen. Sie erkennen manchmal, dass sie Abwechslung benötigen, die sie in der Beziehung mit nur einem Partner naturgemäß nicht ausleben können. Das ist der Urgedanke der Polyamorie und einer seiner Vorteile. Man kann sich plötzlich zu dritt ergänzen. Darunter fällt auch, dass man sich sowohl mit dem gegensätzlichen als auch dem gleichen Geschlecht erfahren kann, wenn man dies möchte — auch wenn das nicht immer so gelebt wird.

Liebe zu dritt

Auf jeden bauen

Jedoch gibt es auch viele Menschen, die über viele Jahrzehnte hinweg monogam leben und darauf schwören, dass sie eine dritte Person an der gemeinsamen Entwicklung nur gehindert hätte. Sie sagen, dass sie zusammen eine Tiefe entwickelt haben, die so nur zu zweit möglich war, da man sich stets aufeinander einstellen musste und keine “Fluchtmöglichkeit” hatte. Diese Menschen fühlen sich in ihrem monogamen Ansatz gestärkt und können in polyamoren Beziehungen keinen Mehrwert für sich erkennen.

Verschiedene Sorten der Dreiecksbeziehung

Polyamor klingt zunächst simpel: man hat in der Regel einen Mann und zwei Frauen vor Augen. Doch das ist nicht immer so. Mögliche Ausprägungen sind:

  1. Ein Mann, zwei Frauen, während die Frau jeweils eine Liebesbeziehung zum Mann und der Mann somit zwei parallele Liebesbeziehungen führt.
  2. Ein Mann, zwei Frauen, während jede Frau eine Liebesbeziehung zum Mann, aber auch zur anderen Frau führt (jeder ist mit jedem zusammen).
  3. Beide der vorgenannten Kombinationen mit vertauschten Geschlechtern (eine Frau, zwei Männer).
  4. Drei Frauen / drei Männer, mit ebenfalls allen denkbaren Kombinationen.
  5. Szenarien mit multiplen Geschlechtern.
  6. Szenarien zu viert, welche eine Vielzahl weiterer Kombinationen mit sich bringen. Hierunter können zudem gezielt ausgelebte Präferenzen (sexueller, örtlicher oder anderweitiger Natur) und sogar Rollenspiele fallen, die eine weitere Facette der Selbsterfahrung eröffnen.
  7. Auch flüchtige (weniger romantische) Beziehungsvarianten können in bestehende Dreiecksbeziehungen integriert werden.
Drei Schlüssel

Mehrere Schlüssel zum Glück

Der Komplexität sind hier keine Grenzen gesetzt. Mit diesem Komplexitätsgrad wachsen auch die Anforderungen an die offene Kommunikation aller Ängste und Schmerzen, die sich während der Vielzahl an Beziehungen auftun. Das kann sich rein im emotionalen Sinne abspielen, jedoch auch Auswirkungen auf das Materielle haben (Wohnsituation, Aufteilung der Finanzen, Berücksichtigung des Berufs, Anzahl der gemeinsamen Stunden, etc.). Hier sind an polyamoröse Menschen besondere Ansprüche gestellt.

Das kleine Fazit zur Polyamorie

Jede Beziehungspräferenz ist legitim. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Werte er für sich hält und einen Partner finden, der zu diesen Werten passt. Gleichzeitig sollte man sich einer alternativen Beziehungsform jedoch nie verschließen. Alle Formen des Miteinanders haben die inhärente Fähigkeit, jedem Einzelnen mehr über sich zu verraten als er vorher wusste.

Auch gibt es wenig zu verlieren: Ein Partner, der letztlich lieber polyamorös lebt, wäre für einen monogram überzeugten Menschen ohnehin nicht die richtige Wahl. Schon hier besteht kein Grund zu Verlustangst oder Eifersucht. Zu jedem Menschen passt derjenige, der übrig bleibt, wenn man seine Werte tatsächlich erkennt und aktiv auslebt. Nur dieser Mut ist nötig um die Beziehung zu führen, die man letztlich bevorzugt.blank

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Über den Autor

Dieser Blog-Beitrag wurde mit sehr viel Sorgfalt verfasst von:

  • Promovierter Wissenschaftler
  • Spiritueller Berater seit 2010
  • Autor mehrerer spiritueller Bücher
  • Achtsamkeitstrainer
  • Ausgebildeter Meditationslehrer
  • Zertifizierter Quantenheiler
  • Hypersensitive Person (HSP)
  • Kontakt: Erik@Herzwandler.net

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