KursübersichtStufe 1 · Der Abend · Modul 10/24Anmelden

Stufe 1 · Der Abend Modul 1 von 24

Was ein Traum ist — und was im Kopf dabei passiert

Nicht „Botschaften", sondern das, was nachts geschieht, wenn niemand steuert. Was sich messen lässt, was offen ist — und was sich ausgezählt über Träume sagen lässt.

  • 14 Minuten
  • 1 geführte Übung
  • Gegen die Auszählung
Dr.-Ing. Erik Neitzel, Betreiber von Herzwandlerzuletzt geprüft am 16. September 2026Wie dieser Text entstanden ist →

Fast jeder Text über Träume fängt bei der Bedeutung an. Dieser fängt beim Vorgang an: wann in der Nacht, wie lange, wovon. Wer weiß, dass vier von fünf Gefühlen im Traum negativ sind, liest seinen eigenen Albtraum anders.

Die Annahme, mit der fast jeder herkommt

Die Annahme lautet: Ein Traum ist eine Mitteilung — von wem auch immer — und die Aufgabe besteht darin, sie zu entschlüsseln. Das ist eine Möglichkeit und nicht die Ausgangslage. Die Ausgangslage ist: Nachts läuft im Kopf etwas weiter, während niemand steuert, und daraus entstehen Szenen. Ob diese Szenen eine Mitteilung sind, ist eine zweite Frage — und dieser Kurs entscheidet sie nicht für Dich.

Wann in der Nacht — und wie lange

Der Schlaf läuft in Zyklen von rund 90 Minuten, fünf bis sechs pro Nacht. In jedem Zyklus wechseln sich Tiefschlaf und REM-Schlaf ab, und das Verhältnis verschiebt sich über die Nacht: Anfangs überwiegt der Tiefschlaf, gegen Morgen der REM-Schlaf.

Geträumt wird in allen Stadien, aber die lebhaften, bildreichen, erzählbaren Träume gehören überwiegend zum REM-Schlaf. Daraus folgt etwas Praktisches: Was Du morgens erinnerst, stammt fast immer aus der letzten Stunde vor dem Aufwachen. Nicht, weil nachts weniger geträumt wird — sondern weil das andere weg ist, bevor Du wach bist.

Warum die 90 Minuten eine Spanne sind

Die 90 Minuten sind ein Mittelwert. Bei einzelnen Menschen liegt die Zykluslänge zwischen etwa 70 und 110 Minuten, und sie ändert sich über die Nacht: Die ersten Zyklen sind kürzer und REM-ärmer, die letzten länger und REM-reicher.

Deshalb zeigt der Schlafphasen-Rechner in diesem Kurs eine Spanne und keine Uhrzeit. Das ist weniger, als jeder andere Schlafrechner verspricht, und mehr, als sie halten können.

Wovon Menschen tatsächlich träumen

Hier hört die Vermutung auf. Seit 1966 gibt es ein Verfahren, mit dem sich Traumberichte auszählen lassen — jede Figur, jede Handlung, jedes Gefühl. Calvin Hall und Robert Van de Castle haben damit 991 Traumberichte kodiert. Die Ergebnisse widersprechen dem, was man erwartet, an mehreren Stellen:

  1. 80 Prozent aller Gefühle in Träumen sind negativ — bei Männern und Frauen identisch. Freude kommt auf 20 Prozent.
  2. Das häufigste Einzelgefühl ist BESORGNIS (34 bzw. 37 Prozent), nicht Angst und nicht Freude.
  3. Aggression kommt in 45 Prozent aller Träume vor, Freundlichkeit in 40 Prozent. Und wenn Freundlichkeit vorkommt, ist es meistens Helfen und Schützen.
  4. Sexualität kommt in 8 Prozent der Träume vor — bei Männern in 12, bei Frauen in 4 Prozent. Viel seltener, als das Klischee behauptet.
  5. Über die Hälfte aller Traumfiguren sind vertraute Personen. 69 Prozent aller Orte sind bekannte Orte.
  6. Tiere stellen 5 Prozent aller Figuren. Verstorbene: sieben von 2.603.

Der letzte Punkt ist der eindrücklichste. Von der Traumdeutung her würde man annehmen, dass Träume voller Symbole und Fremdheit sind. Ausgezählt sind sie überwiegend bekannt: bekannte Menschen an bekannten Orten, mit alltäglichen Handlungen — und einer Grundstimmung, die eher besorgt als ängstlich ist.

Woher diese Zahlen kommen

Alle ausgezählten Werte in diesem Kurs stammen aus der Inhaltsanalyse von Calvin Hall und Robert Van de Castle (1966). Ausgezählt wurden 991 Traumberichte — 500 von Männern, 491 von Frauen, je fünf Träume pro Person. Die vollständigen Normtabellen sind frei zugänglich über dreamresearch.net.

Und die Einschränkung gehört dazu: Es waren Studierende einer US-Universität, erhoben Mitte des 20. Jahrhunderts. Keine deutsche, keine altersgemischte, keine aktuelle Stichprobe. Die Zahlen sind sauber erhoben und sie sind nicht die ganze Welt. Wer das verschweigt, tut mit guten Zahlen dasselbe, was ein Traumlexikon mit undatierten Überlieferungen tut.

Was offen ist

Und jetzt der Teil, den Ratgeber überspringen. Zu diesen Fragen gibt es keine gesicherte Antwort, und das gehört gesagt:

  1. Warum wir träumen. Es gibt mehrere Erklärungsversuche, keiner ist bewiesen. Modul 2 stellt sie nebeneinander.
  2. Ob Träume eine Funktion haben oder ein Nebenprodukt sind.
  3. Ob der Inhalt eine Bedeutung im engeren Sinn trägt oder ob er das Material ist, aus dem sich eine Bedeutung machen lässt.
  4. Wie viel ein Traumbericht mit dem Traum zu tun hat. Man erinnert nicht den Traum, sondern das, was beim Aufwachen davon übrig war — und das ist ein Unterschied, der die ganze Forschung betrifft.
Was dieses Modul nicht leistet
  • Dieses Modul sagt Dir nicht, was Dein Traum bedeutet. Das tut in diesem Kurs überhaupt nichts — auch das Lexikon nicht.
  • Es entscheidet nicht, ob Träume mehr sind als ein Vorgang im Kopf. Diese Frage gehört Dir.
  • Die ausgezählten Zahlen stammen aus einer US-amerikanischen Stichprobe des 20. Jahrhunderts. Sie sind sauber erhoben und sie sind nicht die ganze Welt.

Was überliefert ist

Dass der Traum ein eigener Ort ist und nicht nur ein Zustand, ist die älteste Auffassung, die wir kennen. Im Gilgamesch-Epos, den ältesten erhaltenen Traumberichten der Menschheit, wird geträumt und am Morgen darüber beraten — der Traum gilt dort als etwas, das geschehen ist und nicht als etwas, das eingebildet wurde.

In den Heiligtümern des Asklepios in der griechischen Antike schliefen Kranke, um im Traum die Behandlung zu empfangen. Der Traum war dort nicht das Symptom, sondern das Heilmittel. Wer heute von einer Ärztin träumt, wiederholt ohne es zu wissen eine Praxis, die zweitausend Jahre alt ist.

Was diesen Überlieferungen gemeinsam ist: Sie behandeln den Traum als einen Ort, an dem etwas stattfindet. Ob das stimmt, kann keine Messung entscheiden. Dass Menschen es über Jahrtausende so erlebt haben, ist trotzdem ein Befund.

Übung: Eine Nacht lang mitschreiben

Übung

Eine Nacht lang mitschreiben

Herausfinden, wie viel Du erinnerst, wenn Du es versuchst.

  1. 1VorbereitenZettel und Stift neben das Bett. Kein Telefon — das Licht kostet Dich den Rest der Nacht und die Erinnerung gleich mit.
  2. 2LiegenbleibenWenn Du aufwachst: NICHT bewegen. Bleib genau so liegen, wie Du aufgewacht bist, und geh im Kopf rückwärts. Die Erinnerung hängt an der Körperhaltung, und sie reißt ab, sobald Du Dich drehst.
  3. 3Fünf WörterSchreib fünf Stichworte auf. Keinen Aufsatz — der kostet zu viel, und beim dritten Mal machst Du es nicht mehr.

Eine einzige Nacht — am besten eine, nach der Du ausschlafen kannst.

Mit einem kostenlosen Konto kannst Du hier eintragen, dass Du es gemacht hast.

Wenn nichts kommt, ist das normal und kein Zeichen von irgendetwas. Bei den meisten Menschen dauert es zwei bis drei Nächte. Warum das so ist, steht in Modul 5.

Wo Du weitermachst

Weiter zu Modul 2 OffenWarum wir träumenDrei ernstzunehmende Antworten auf die Frage, warum wir überhaupt träumen — und keine davon ist bewiesen. Das ist die Antwort, nicht ihr Fehlen.16 Minuten · 1 Übung

Fertig mit diesem Modul?

Mit einem kostenlosen Konto merkt sich der Kurs, wo Du stehst, und Deine Tagebuch-Einträge bleiben erhalten.

Kostenloses Konto anlegen

Du kannst auch einfach weiterlesen — die Module dieser Stufe sind frei.

Wer hier sonst noch übt

Diese Mitglieder passen zu dem, was Du suchst — und sie lesen gerade dieselben Fragen. Einige Module sind ausdrücklich für zwei Menschen gedacht, auch für zwei an verschiedenen Orten; dort kannst Du jemanden direkt ansprechen.

 
jetzt aktiv
 
jetzt aktiv
 
jetzt aktiv
 
jetzt aktiv
 
jetzt aktiv
 
jetzt aktiv
 
jetzt aktiv
 
eben aktiv
 
eben aktiv
 
eben aktiv

Melde Dich an, um zu sehen, wer das ist.

Weitergeben

Wenn Dir das hier etwas gebracht hat, gib es weiter. Der Kurs ist kostenlos — es gibt keinen Grund, ihn für sich zu behalten.

WhatsAppE-Mail

Zitieren ist ausdrücklich erwünscht, unter Angabe der Quelle. Der HTML-Link ist fertig zum Einfügen in einen Blog oder in WordPress.