Traumdeutung Zahnausfall
„Fallen im Traum die Zähne aus, stirbt jemand in der Familie."
Was im Traum tatsächlich passiert ist
Die Zähne lockern sich, brechen, fallen in die Hand. Es ist einer der wenigen Träume, den viele Menschen mehrfach im Leben haben und wortgleich beschreiben.
Wem was zugeschrieben wird — mit Datum
| Quelle | Zeit | Zuschreibung |
|---|---|---|
| Artemidoros, Oneirokritika | 2. Jh. | Der Verlust eines Zahns bedeutet den Verlust eines Angehörigen — nach Position im Kiefer sogar welchen. Hier beginnt die Todesdeutung. |
| Volkstümliche Traumbücher | 19. Jh. | Übernimmt Artemidoros nahezu wörtlich und verbreitet ihn. |
| Freud | 1900 | Deutet den Zahntraum sexuell. Auch das eine Setzung ohne Beleg. |
| Schlafmedizin | heute | Kein Befund, aber eine naheliegende Nebenbeobachtung: Zähneknirschen und Kieferanspannung im Schlaf sind häufig. |
Diese Zuschreibungen stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und widersprechen sich zum Teil. Nebeneinandergestellt heben sie sich auf — und genau deshalb stehen sie hier nebeneinander und nicht untereinander als eine Antwort.
Was überliefert ist
Unterhalb der Trennlinie: Zähne sind das Sichtbarste am Körper, was man verlieren kann, ohne zu sterben — und das Erste, was ein Alter anzeigt. In der Überlieferung steht der Zahn deshalb für Kraft, Stand und Ansehen. Der Zahnverlust ist dort nicht der Tod, sondern der Machtverlust.
Wie häufig ist das überhaupt?
Körperliche Unglücke (Verletzung, Krankheit, Tod) machen in der Auszählung 29 Prozent (Männer) bzw. 35 Prozent (Frauen) aller Unglücksfälle aus. Eine Zahl speziell für Zahnträume gibt es nicht.
Die Zahlen stammen aus der Auszählung von 991 Traumberichten (Hall und Van de Castle, 1966). Es waren Studierende einer US-Universität, erhoben Mitte des 20. Jahrhunderts — sauber erhoben und nicht die ganze Welt. Wie das Verfahren funktioniert →
Was es nicht bedeutet
- KEIN TODESZEICHEN. Diese Zuschreibung ist die schädlichste des ganzen Lexikons: Sie stammt von einem Autor des 2. Jahrhunderts, sie ist nie überprüft worden, und sie macht Menschen Angst um Angehörige.
- Kein Zeichen einer Erkrankung. Wer sich um seine Zähne sorgt, geht zum Zahnarzt und nicht ins Traumlexikon.
Drei Fragen an Dich
- Sind sie gebrochen oder herausgefallen?
- Konntest Du sprechen, oder war der Mund zu?
- Wo im Wachen hast Du gerade das Gefühl, an Boden zu verlieren?
Was Du hier antwortest, wiegt schwerer als alles, was weiter oben steht. Ein Lexikon kann Vorschläge machen; entscheiden kann es nichts. Der Traum gehört dem Träumer.
Verwandte Symbole
Körper — alle Symbole dieser Gruppe
Zähne, Haare, Blut, Augen. Körperliche Unglücke sind rund ein Drittel aller Unglücke im Traum.
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