Meditation Coach — Modul 5 — Stille Meditation

Inhalte des Moduls

Willkommen zum nächsten Modul, in dem es uns ausschließlich um die Einnahme der Gedankenstille gehen soll. Es ist einerseits der Klassiker, andererseits Grundvoraussetzung, und in vielerlei Hinsicht auch die Königsdisziplin — doch es kommt ganz darauf an, wie lange wir diese Übung treiben wollen, und welchem Zweck sie unterliegt.

Bitte beachte:

  • Es soll uns explizit NICHT darum gehen, minutenlang an nichts zu denken. Sieh das bitte nicht als Ziel an, das gelingt dir wohlmöglich erst nach vielen Jahren.
  • Es ist NICHT deine Fähigkeit gefragt, ad-hoc an nichts denken zu können. Betrachte das bitte nicht als Voraussetzung, sondern als Folge ständigen Wiederholens.
  • Wir wollen uns ganz langsam der Vergrößerung der Lücke zwischen den Gedanken nähern. Das ist der Kern der Bewusstseinsentwicklung und Voraussetzung für sämtliche Meditationen, die in späteren Modulen folgen werden.

Vorwort

Ich habe eine einleitende Frage, bevor Du mit diesem Experiment startest. Wir hatten im letzten Modul Konzentrations- und Fokussierungsübungen durchgeführt. Lies noch einmal nach, worauf ich mich jetzt beziehe. Du solltest dir einen Apfel vorstellen, ihn gedanklich so manipulieren, wie Du es gerade wolltest. Unter anderem solltest Du ihn auch verschwinden lassen, und danach wieder holen. Führe diese Übung bitte noch einmal durch, bis zu dem Punkt, wo dein Apfel verschwindet.

Spürst Du das? Für einen kurzen Moment erlebst Du Transzendenz. Es ist der Moment, wo kein Apfel da ist, sicher aber auch noch nichts anderes in dein Bewusstsein drängt. Wir wollen diese Lücke zwischen deinen Gedanken nun so weit vergrößern wie irgendwie möglich.

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Das Experiment der Gedankenstille

Wir nähern uns dem Thema Gedankenstille, die für unsere Transformation so ungemein wichtig ist, wieder ganz allmählich an. Hierzu gliedern wir alles in:

  1. Vorbereitung
  2. Durchführung
  3. Nachbereitung

Vorbereitung

Wir sollten uns zunächst einmal mit allem versorgen, was wir brauchen. Dazu gehört beispielsweise Räucherwerk, Meditations-MP3s, Sitzkissten, etc. — Du findest all meine Empfehlungen hierzu in der Hilfsmittel-Checkliste (hier klicken).

Wir setzen uns. Die Schultern werden ohne große Anspannung leicht zurück gezogen, damit unser Kopf gerade steht. Wir sitzen aufrecht und möglichst frei auf dem Boden oder angelehnt an einen nicht schmerzenden aber auch nicht zu bequemen Stuhl. Wir wollen uns weder auf das Verhindern von Schmerzen noch auf das Nicht-einschlafen konzentrieren müssen.

Wir schließen die Augen und atmen sämtliche Luft aus, die wir in der Lunge halten. Danach beginnen wir mit einem sehr langsamen und sehr tiefen Einatmen in sowohl Lunge als auch Bauch. Danach atmen wir genauso lange aus, wie wir eingeatmet haben. Wir brauchen für einen vollständigen Atemzyklus (Ein- und Ausatmen) etwa 30 Sekunden. Wenn wir können, setzen wir die volle Yoga-Atmung ein, die wir in Modul 3 kennengelernt haben. Zur Erinnerung: wir atmen erst langsam in den Bauch ein, dann langsam in Brust — danach langsam aus dem Bauch aus und schließlich auch langsam aus der Brust.

Die beschriebene Atemtechnik ist am Anfang sehr schwierig, gleichzeitig aber auch nützlich, um sich auf genau eine Sache zu konzentrieren. Denn wenn Du dir sofort die Aufgabe stellst, an nichts zu denken, wirst Du wohlmöglich stark enttäuscht werden. Sich zu denken, an nichts zu denken, bedeutet an etwas zu denken. Vergiss das daher :-)

Wir atmen ein und werden achtsam, atmen aus und werden immer entspannter. Daran denken wir. Falls das nicht klappt, konzentrier dich auf einen konkreten, möglichst „stabilen“, d.h. nicht zu komplizierten Gedanken — halte Dir beispielsweise das Bild eines Apfels vor Augen. Sollte auch das nicht klappen, öffne die Augen wieder und versuch es mit einer Kerze oder einem anderen konkreten Punkt.

Nimm wenn Du möchtest das Dhyani-Mudra ein, wie es im Bonus-Modul „Auswahl an Mudras“ beschrieben ist:

Das Dhyani Mudra

Das Dhyani Mudra

Durchführung

Sei nun vollkommen unverkrampft und lass alles los. Versuche aber innerlich darauf zu achten, ob Deine Gedanken abschweifen. Tun sie das, schieb sie ungezwungen beiseite. Es wird uns kaum gelingen, die völlige Gedankenstille länger als den Bruchteil eines Moments aufrecht zu erhalten. Das ist okay so. Das goldene Ziel liegt zwar tatsächlich darin, den Gedankenstrom vollständig zu stoppen, aber das ist nicht das Tagesziel für heute Abend.

Wir versuchen unsere Gedanken nicht zwanghaft zu unterdrücken, sondern uns nicht mit aufkommenden Gedanken zu identifizieren. Das ist etwas leichter als sich gänzlich zu verbieten zu denken. Man kann so leichter in einen Zustand gelangen, bei dem sich die Lücke zwischen zwei Gedanken immer weiter ausdehnen lässt.

Es ist vergleichbar mit einem Konzert, von dem wir uns innerlich immer weiter entfernen:

  1. Zunächst sind wir – ganz alltagstreu – Spieler von Instrumenten in einem großen Orchester. Wohlmöglich bedienen wir mehrere Instrumente gleichzeitig. Überall ist krach, wir haben Mühe uns auf unsere Sache zu konzentrieren, haben das aber gelernt und kriegen es zumindest hin, uns nicht von Einflüssen anderer überrollen zu lassen. Auf wen das nicht zutrifft, der hat schon sein erstes ToDo erkannt.
  2. Wir spielen also unsere Instrumente. Versuchen wir zunächst, nur noch ein Instrument zu spielen, sprich nicht über unsere Arbeit, unsere Partnerin, unser Kind, unser Auto, unser Haus, unseren Briefkasten, unsere Versicherungsprobleme und die Steuererklärung gleichzeitig nachzudenken. All diese Dinge sind wichtig, und sie sind auch in einer halben Stunde noch da. Ganz bestimmt.
  3. Wir lassen also die wichtigsten Dinge zu, die wir nicht so leicht beiseite schieben können. Allerdings versuchen wir uns nun immer weniger als Spieler der Instrumente zu sehen, sondern als Zuhörer. Die Instrumente spielen, und das ist okay so. Das sollen sie ruhig weiter tun. Aber wir hören nur zu, beeinflussen nichts, genießen vielmehr.
  4. Wenn wir das geschafft haben, lassen wir weiter los. Wir waren eben schon nur noch Zuhörer der Musik, die in uns tönt. Versuchen wir jetzt nicht nur Zuhörer zu sein, sondern eine Person, die das Publikum des Orchesters beobachtet. Ein Bühnenmitarbeiter, der gerade an der Bar auf die Pause wartet. Er hat gerade nichts zu tun. Die Instrumente spielen, die Zuhörer lauschen gespannt, aber wir beobachten den Zuhörer.
  5. Die Musik wird leiser, unbedeutender. Wir sind nicht verantwortlich für das was dort passiert, wir sehen nicht die Wand des alltäglichen Labyrinths, sondern die Karte. Neutral. Vollkommen zeitlos.
  6. Schließlich beobachten wir den Beobachter des Publikums. Der Chef, der seinen Barmitarbeiter sieht, welcher auf die Pause des Konzerts wartet. Seine einzige Aufgabe gerade ist das teilnahmslose Beobachten.

Mir ist bewusst, dass dies ein Prozess ist, der sich nicht sofort einstellt. Ich möchte dir hier aber ein erstes Werkzeug in die Hand zu geben, was dir beim Initiieren einer ersten Gedankenstille helfen wird. Du wirst gleich noch viele weitere Übungen kennenlernen, die einerseits auf dieser aufbauen, sie andererseits aber auch unterstützen.

Nachbereitung

Wir haben in Modul 2 vom Alltag und unseren Ritualen gesprochen, werden unser eigenes Ritualsystem später auch noch gezielt aufbauen. In Modul 3 sprachen wir unter anderem von der richtigen Atmung, der Ernährung und weiteren Dingen, um unseren Körper vorzubereiten.

Jetzt sehen wir, was diese Dinge miteinander in Tiefe verbindet: Meditation besteht nicht nur aus einzelnen Handlungen, die nach dem Ritual wieder enden. Transformation ist ein umfassender Prozess, und stille Meditation ist der erste Schritt zu einem gänzlich neuen Bewusstsein. Wir werden nun weitere Schritte in Form von gezielten Meditationsübungen kennen lernen, die dir helfen werden.

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