Karte 28 von 36 · Haus 28 in der Großen Tafel
Der Herr im Lenormand
Die Annahme, mit der fast jeder herkommt: Der Herr sei „der Mann" — immer und ausschließlich.
Was die Karte bedeutet
Der Herr ist eine Personenkarte. In einer Legung bezeichnet er die Person, um die es geht, oder ihr Gegenüber — abhängig davon, wer fragt und wonach.
Die verbreiteten Decks zeigen einen Mann in Kleidung des 19. Jahrhunderts, meist in Gehrock oder Mantel, oft im Profil oder halb abgewandt. Dass er so wenig tut, ist Absicht: Er trägt kein Werkzeug, führt keine Handlung aus, hält kein Symbol. Er ist ein Platzhalter mit Gesicht. Alles, was er in einer Legung bedeutet, bekommt er von den Karten um ihn herum.
Je nach Frage meint er ganz verschiedene Menschen. In einer Berufsfrage kann er der neue Vorgesetzte sein — oder die fragende Person selbst, wenn sie das vorher so festgelegt hat. In einer Familienfrage der Bruder, um dessen Umzug es geht. Bei einem Streit mit einer Behörde sogar der Sachbearbeiter, von dem man nur den Namen unter dem Schreiben kennt.
Vorn in einer Kombination macht der Herr eine Person zum Thema; die zweite Karte beschreibt, in welcher Lage sie ist. An zweiter Stelle zeigt er, dass eine Sache an einem Menschen hängt, nicht an Umständen. Das mittlere Tempo ist bei ihm kaum mehr als ein Durchschnittswert, und Ja/Nein bleibt offen: Personenkarten antworten nicht, sie zeigen, wer beteiligt ist. In größeren Legungen achten viele darauf, wohin die Figur blickt und welche Karten in ihrem Rücken liegen.
Und die andere Seite
Eine Personenkarte kann auch eine Rolle meinen, die niemand ausfüllt: die erwartete Person, die es nicht gibt.
- Gruppe
- Menschen — Wer in der Frage vorkommt
- Zeitliche Aussage
- mittel — Wochen, nicht Tage und nicht Jahre
- Ja/Nein-Zuordnung
- offen — eine Konvention, kein Befund (Modul 9)
Diese Karte neben einer anderen
Hier liegt der eigentliche Inhalt des Systems. Die erste Karte ist das Thema, die zweite die Färbung — dreht man das Paar um, ändert sich die Aussage. Die wichtigsten Nachbarn:
- Der Herr + Das Herz ein Mensch, für den etwas empfunden wird
- Der Herr + Die Dame zwei Menschen — die Karten dazwischen sagen, wie es steht
- Der Herr + Der Turm jemand, der auf Abstand bleibt
- Der Herr + Das Schiff jemand, der weit weg ist
Mehr Paare — und die Regel dahinter — im Kombinationsfinder und in Modul 7.
Der Herr in der Beziehungsfrage
Hier liegt die wichtigste Entscheidung vor jeder Legung: Wer ist in DIESER Frage der Herr? Modul 8 behandelt das ausführlich — kurz gefasst: Die Karte bezeichnet eine Rolle, kein Geschlecht.
Ist der Herr das Gegenüber einer frischen Bekanntschaft, kennt man von diesem Menschen oft nur ein Profil und zwei Abende. Entsprechend dünn ist, was die Karte über ihn hergibt: Sie zeigt die Person in der Lage, die ihre Nachbarkarten beschreiben, nicht ihren Charakter. In einer langen Partnerschaft ist das anders — dort weiß man genug, um die Nachbarkarten mit Erfahrung abzugleichen.
Ist die Beziehung vorbei, wird die Karte gern zur Projektionsfläche: Was denkt die Person dahinter, vermisst sie etwas, bereut sie? Darauf antwortet der Herr nicht. Ergiebiger ist, wo er liegt — nah bei Dir oder weit weg, umgeben von Bewegung oder von Stillstand. Das beschreibt die Lage zwischen zwei Menschen, nicht das Innere von jemandem, der nicht mit am Tisch sitzt.
Woher diese Deutung kommt
Herr und Dame stammen aus einer Zeit, in der die Frage nach der Konstellation der Beteiligten nicht gestellt wurde. Das ist eine Altersangabe, keine Vorgabe.
Was Der Herr nicht bedeutet
- Keine Aussage über das Geschlecht der beteiligten Menschen, und keine darüber, wer in einer Beziehung welche Rolle hat.
Du kannst jederzeit eine Karte ziehen — gemischt aus Deiner eigenen Handbewegung, ohne Anmeldung. Als Tageskarte oder als Dreiersatz.
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