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Stufe 1 · Die erste Karte Modul 4 von 19

Die 36 Karten: warum es genau diese sind

Reiter, Klee, Schiff, Haus — eine Reihe, die aussieht wie zufällig zusammengestellt. Sie ist es nicht. Woher die Motive kommen, warum ausgerechnet 36, und was die Spielkarten in der Ecke dort zu suchen haben.

  • 16 Minuten
  • 1 geführte Übung
  • Kartenlexikon
Dr.-Ing. Erik Neitzel, Betreiber von Herzwandlerzuletzt geprüft am 18. September 2026Wie dieser Text entstanden ist →

Reiter, Klee, Schiff, Haus, Baum, Wolken, Schlange, Sarg. Die Reihe sieht aus, als hätte jemand aufgeschrieben, was ihm gerade einfiel. Sie hat einen Bauplan — und wer den kennt, liest auch eine Karte, deren Bedeutung er gerade vergessen hat.

Die Annahme, mit der fast jeder herkommt

Die Annahme lautet: Man muss 36 Bedeutungen auswendig lernen, und solange das nicht sitzt, kann man nicht legen.

Auswendiglernen ist der langsamste Weg und der, nach dem die meisten aufhören. Die 36 Karten zerfallen in vier Gruppen, und innerhalb einer Gruppe funktionieren sie gleich. Wer die vier Gruppen hat, hat achtzig Prozent — den Rest liest man im Zweifel nach.

Vier Gruppen statt 36 Einzelteile

Menschen. Wer in der Frage vorkommt: Herr, Dame, Kind, Fuchs, Bär, Hund, Schlange. Diese Karten meinen jemanden — oder eine Rolle, die jemand einnimmt. Sie sind die einzigen, bei denen die Frage „wer ist das?" überhaupt sinnvoll ist.

Dinge. Was es gibt oder gegeben wird: Haus, Schiff, Blumen, Sense, Rute, Turm, Park, Buch, Brief, Ring, Lilie, Schlüssel, Fische, Anker. Sie sind konkret und lassen sich meistens wörtlich nehmen — der Brief ist oft wirklich eine Nachricht.

Zustände. Wie es steht: Klee, Baum, Wolken, Sarg, Berg, Herz, Sonne, Mond, Kreuz. Sie beschreiben keine Sache und keinen Menschen, sondern eine Lage. Sie sind die Karten, die man am ehesten überdeutet, weil ein Zustand alles Mögliche verursacht haben kann.

Zeichen. Was sich ankündigt: Reiter, Eulen, Sterne, Storch, Weg, Mäuse. Sie zeigen Bewegung an — etwas kommt, ändert sich, schwindet oder steht zur Wahl.

Woran man die Gruppe im Zweifel erkennt

Stell die Frage: Kann das jemand sein? Dann Mensch. Kann man es anfassen oder verschenken? Dann Ding. Beschreibt es, wie etwas ist? Dann Zustand. Zeigt es, dass sich etwas bewegt? Dann Zeichen. Die vollständige Aufteilung steht im Kartenlexikon, nach Gruppen sortiert.

Die zweite Ordnung: schnell, mittel, langsam

Quer zu den vier Gruppen liegt eine zweite Einteilung, und die ist beim Lesen fast wichtiger: Wie schnell ist, was die Karte meint?

Das ist die Auskunft, die eine Legung zeitlich einordnet, ohne dass man ein Datum erfinden muss. Sense und Berg nebeneinander heißt: etwas endet schnell, aber das Hindernis dahinter bleibt.

Warum die Nummer keine Zierde ist

Jede Karte hat eine feste Nummer von 1 bis 36. Das ist keine Sortierhilfe: Die Nummer ist zugleich der Platz in der Großen Tafel. Wenn alle 36 Karten ausliegen, heißt Platz 4 „Haus", Platz 24 „Herz" und Platz 21 „Berg" — unabhängig davon, welche Karte dort tatsächlich liegt.

Daraus entsteht die Doppelung, die am Anfang verwirrt und später das Beste am System ist: Der Platz stellt die Frage, die Karte antwortet. Liegt die Sonne auf Platz 7 — dem Haus der Schlange —, liest man: das Verwickelte ist hell. Ausführlich in Modul 13; die Tafel selbst steht offen unter Große Tafel.

Die Spielkarte in der Ecke

Fast jedes Deck trägt oben eine kleine Spielkarte — Herz neun, Pik Dame, Kreuz König. Das ist kein Zusatz, sondern ein Rest: Das Spiel von 1799 war ein Brettspiel mit Karten, die sich auch zum Kartenspielen eignen sollten.

Und jetzt der Teil, den die Anleitungen weglassen: Die Zuordnung ist nicht einheitlich. Zwischen Dondorf, Blauer Eule und den neueren französischen Ausgaben weichen mehrere Karten voneinander ab. Eine Tabelle in diesem Kurs wäre deshalb eine Behauptung über ein Deck, das Du womöglich gar nicht hast.

Wer mit den Spielkarten arbeiten will — es gibt eine Lesetradition dazu —, nimmt die Zuordnung seines eigenen Decks. Wer nicht, verliert nichts: Der ganze Kurs kommt ohne sie aus.

Was dieses Modul nicht leistet
  • Es listet nicht alle 36 Bedeutungen. Dafür gibt es das Kartenlexikon, und dort steht zu jeder Karte deutlich mehr als zwei Zeilen — samt der Frage, was sie NICHT bedeutet.
  • Es entscheidet nicht, welches Deck das richtige ist. Die Bilder unterscheiden sich, die Begriffe nicht; und die Begriffe sind das System.
  • Es erklärt die Große Tafel nicht. Hier steht nur, warum die Nummern wichtig sind — das Lesen selbst ist ein eigenes Modul.

Was überliefert ist

Überliefert ist die Reihenfolge der 36 Karten samt ihrer Nummern — sie steht so im Spiel von 1799 und hat sich seither nicht verändert. Auch die Doppelrolle der Nummer als Hausnummer ist alt: Das Brettspiel hatte ein Feld je Karte, und die Große Tafel ist daraus hervorgegangen.

Überliefert ist ebenfalls, dass die Karten von Anfang an ihre Deutung mitbrachten. Es gab keine Phase, in der jemand 36 Bilder hatte und ihnen später Bedeutungen zuordnete — beides erschien zusammen.

Nicht überliefert ist die Einteilung in vier Gruppen. Sie steht in keiner historischen Quelle; sie ist eine Lesehilfe, die sich in der Praxis bewährt hat, und wir sagen das lieber dazu, als sie in eine Tradition zu stellen, zu der sie nicht gehört. Dasselbe gilt für die Einteilung in schnell, mittel und langsam.

Übung

Die 36 in vier Gruppen sortieren

  1. 1Aus dem Kopf sortierenNimm ein Blatt Papier, schreib vier Überschriften — Menschen, Dinge, Zustände, Zeichen — und trag ein, was Dir einfällt. Nicht nachschlagen.
  2. 2NachsehenVergleich Deine Aufteilung mit der im Kartenlexikon. Interessant sind nicht die Treffer, sondern die Abweichungen.
  3. 3Die Zweifelsfälle ansehenBei einigen Karten ist die Zuordnung strittig — der Fuchs kann eine Person sein oder eine Absicht, das Herz ein Gefühl oder ein Mensch. Genau diese Karten sind beim Legen die beweglichsten.
  4. 4Eine Karte je Gruppe nennenZum Schluss: Nenn aus jeder Gruppe die Karte, die für Dich am klarsten dazugehört. Das sind Deine Ankerkarten — an ihnen erkennst Du später die Gruppe der unklaren.
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Weiter zu Modul 5 OffenWarum jede Deutung zu passen scheintDas letzte offene Modul stellt die Frage, die über allem steht: Warum fühlt sich fast jede Deutung richtig an — auch die, die erfunden ist?14 Minuten · 1 Übung

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