I Ging: die 64
Das Buch der Wandlungen kennt 64 Hexagramme — Zeichen aus sechs Strichen, jeder durchgezogen oder unterbrochen. Zwei hoch sechs ist 64.
Human Design übernimmt sie vollständig: 64 Tore, jedes mit der Nummer und dem Namen seines Hexagramms, jedes mit sechs Linien. Das ist die gründlichste der vier Anleihen und zugleich die, die am meisten trägt.
Der älteste bezeugte Kern heißt Zhou Yi und wird ins frühe erste Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung datiert — also rund 3.000 Jahre. Die philosophischen Kommentare, die daraus das Buch machen, das wir heute meinen, sind jünger.
Auf mehreren Anbieterseiten steht „über 5.000 Jahre alt". Dafür gibt es keinen Textzeugen. Die Zahl ist nicht falsch, weil sie zu groß wäre — sie ist falsch, weil sie erfunden ist.
Astrologie: die Rechnung
Hier kommt nichts Inhaltliches her, sondern die Methode. Die Positionen von Sonne, Mond, Mondknoten und den acht Planeten sind exakt dieselben Zahlen, die auch ein Horoskop benutzt.
Nur das Raster ist anders: Die Astrologie teilt den Kreis in zwölf Zeichen zu 30 Grad, Human Design in 64 Tore zu 5,625 Grad. Dieselbe Sonne, andere Schublade.
Daraus folgt etwas Praktisches: Wer sein Geburtshoroskop kennt, kennt schon die halbe Rechnung. Beide Systeme stehen und fallen mit derselben Geburtszeit.
Chakren: sieben werden neun
Die indische Chakrenlehre kennt sieben Zentren entlang der Wirbelsäule. Human Design hat neun. Zwei kommen hinzu — die Milz und der Solarplexus als getrenntes Gefühlszentrum —, und das Herzzentrum wird vom Solarplexus abgetrennt.
In der Überlieferung heißt es, die Menschheit sei um 1781 von einer Sieben-Zentren-Form auf die Neun-Zentren-Form übergegangen. Auch das ist eine Setzung ohne Beleg; das Datum fällt mit der Entdeckung des Uranus zusammen.
Was bleibt: Die neun Zentren sind eine eigene Einteilung, keine Wiedergabe der indischen. Wer beides gleichsetzt, tut beiden unrecht.
Kabbala: die dünnste Verbindung
Der Lebensbaum der Kabbala hat zehn Sephiroth, verbunden durch 22 Pfade. Die Anordnung der Zentren im Bodygraph erinnert daran — mehr aber auch nicht. Es gibt keine Zuordnung von Sephira zu Zentrum, keine Übernahme von Inhalten, keine Regel, die aus der Kabbala stammte.
Von den vier Quellen ist das die, bei der man am ehesten sagen muss: Sie wird genannt, weil sie gut klingt.
Und der Rest
Häufig werden zusätzlich Genetik, Biochemie und Quantenphysik aufgezählt. Dazu steht das Nötige in Modul 1: Es gibt eine Zahlenübereinstimmung zwischen 64 Hexagrammen und 64 Codons, und es gibt keinen bekannten Zusammenhang dahinter.
Vier Quellen, vier sehr verschiedene Tiefen. Wer das System mag, sollte es genau deshalb mögen: weil es etwas Eigenes gebaut hat — und nicht, weil es alt wäre.
- Dieses Modul erklärt keine der vier Quellen für sich. Dafür gibt es bessere Bücher.
- Es prüft auch nicht, ob die Übernahmen den Originalen gerecht werden. Beim I Ging wäre das eine eigene Arbeit.
- Es sortiert nur, was wie stark trägt — damit niemand „jahrtausendealt" für ein Argument hält.