Wie aus einem Profilbild eine echte Geschichte wurde
Kennenlerngeschichten

Wie aus einem Profilbild eine echte Geschichte wurde

Anonymisierte Story

Sandra, 38, aus dem Allgäu, hatte ihr Profil auf Herzwandler an einem verregneten Sonntagabend eher widerwillig fertiggestellt. Zwei frühere Plattformversuche hatten sie mit dem Gefühl zurückgelassen, dass dort viel geschrieben, aber wenig gemeint wird. Entsprechend niedrig waren ihre Erwartungen. Eigentlich rechnete sie damit, nach ein paar Tagen das Interesse wieder zu verlieren.

Thomas, 42, Tischler aus dem Schwarzwald, war zu diesem Zeitpunkt seit einigen Wochen angemeldet und hatte bereits einige Gespräche geführt, die nach wenigen Nachrichten im Sande verliefen. Bei Sandra blieb er dennoch länger hängen. Nicht wegen eines besonders gestellten Fotos, sagt er heute, sondern wegen eines unscheinbaren Satzes in ihrer Beschreibung: „Ich mag Menschen, bei denen Pausen nicht unangenehm sind."

„Das war so ein Satz, den man nicht überall liest", erinnert er sich. Seine erste Nachricht war deshalb keine übliche Floskel, sondern nur die Frage: „Sind Dir stille Spaziergänge auch lieber als laute Restaurants?" Sandra musste lachen, weil sie genau das in diesem Moment lieber getan hätte als weiter auf ihr Handy zu starren – und antwortete noch am selben Abend.

Aus dieser ersten Nachricht entwickelte sich in den nächsten Tagen ein ungewöhnlich ruhiger, fast selbstverständlicher Austausch. Keine überdrehten Flirtsprüche, kein ständiges Verschwinden, keine belanglosen Standardfragen. Stattdessen schrieben beide über ihre Arbeit, über gescheiterte Beziehungen, über Familiengewohnheiten, über Müdigkeit und darüber, warum man irgendwann vorsichtiger wird, ohne die Hoffnung ganz aufzugeben.

Nach knapp drei Wochen wechselten sie vom Schreiben ins Telefonieren. Aus dem geplanten „nur mal kurz hören" wurde ein Gespräch von fast vier Stunden. Sandra erinnert sich noch, dass sie danach in ihrer Küche stand, das Handy auf den Tisch legte und dachte: „Das war gerade seltsam vertraut."

Für das erste Treffen suchten sie bewusst einen Ort, der für beide ohne großen Umweg erreichbar war. Sie entschieden sich für einen kleinen Gasthof bei Sigmaringen und liefen danach an der Donau entlang. Beide waren nervöser, als sie es im Chat je zugegeben hätten. Thomas war zehn Minuten zu früh da und bestellte aus Verlegenheit schon einmal einen Kaffee. Sandra fuhr einmal am Parkplatz vorbei, weil sie im letzten Moment kurz überlegte, ob sie wirklich aussteigen soll.

Aus dem geplanten kurzen Kennenlernen wurde ein Nachmittag, der deutlich länger dauerte als gedacht. Heute schreiben die beiden noch immer fast täglich. Was in einigen Monaten daraus geworden sein wird, wissen sie selbst nicht. Aber Sandra sagt einen Satz, den sie vor ihrer Anmeldung nicht mehr erwartet hätte: „Ich hatte ehrlich nicht gedacht, dass sich online noch einmal etwas echt anfühlen kann."

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