Stufe 3 · Zu zweit gelesen Modul 12 von 18
Warum jede Deutung passt
- 14 Minuten
Die Annahme, mit der fast jeder herkommt
Die Annahme lautet: Wenn eine Beschreibung sich zutreffend anfühlt, dann trifft sie zu. Man merkt schließlich selbst, ob etwas über einen stimmt.
Genau das merkt man nicht zuverlässig. Es ist eine der besser untersuchten Schwächen der Selbsteinschätzung, und sie hat einen Namen.
Das Experiment von 1949
Der Psychologe Bertram Forer gab 39 Studierenden einen Persönlichkeitstest und händigte ihnen anschließend eine Auswertung aus. Sie sollten auf einer Skala von 0 bis 5 angeben, wie gut die Beschreibung auf sie zutraf.
Der Mittelwert lag bei 4,26. Fast alle fanden die Auswertung treffend bis sehr treffend.
Alle 39 hatten denselben Text bekommen. Forer hatte ihn aus einem Astrologie-Heft am Zeitungskiosk zusammengestellt.
Sie haben ein großes Bedürfnis danach, von anderen gemocht und bewundert zu werden. Sie neigen dazu, sich selbst gegenüber kritisch zu sein. Sie haben einige Fähigkeiten, die Sie noch nicht zu Ihrem Vorteil genutzt haben.
Das Ergebnis ist seither vielfach wiederholt worden, mit verschiedenen Gruppen und in verschiedenen Ländern. Der Befund hält sich hartnäckig: Allgemeine Beschreibungen werden als persönlich zutreffend erlebt, sobald jemand glaubt, sie seien für ihn gemacht.
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