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Seriöse Männer kennenlernen: Seriosität steht in keinem Profil

Seriosität ist kein Merkmal, das in einem Profil steht, sondern ein Verhalten unter Reibung. Was 11.132 Nachrichten und 3.467 Profilangaben darüber sagen.

Wer seriöse Männer kennenlernen will, sucht meistens nach einem Erkennungszeichen. Ein vollständig ausgefülltes Profil. Eine lange, persönliche erste Nachricht. Ein Mann, der früh sagt, dass er etwas Ernstes sucht. Die Annahme dahinter: Seriosität sei eine Eigenschaft, die man vorher sieht — so wie Alter, Wohnort oder Körpergröße.

Diese Annahme lässt sich an unserem eigenen Bestand prüfen, und sie hält nicht. In 448.424 Zeichen Selbstbeschreibung von 1.280 aktiven Mitgliedern kommt das Wort „seriös“ kein einziges Mal vor. Nicht selten — gar nicht. „Ehrlich“ steht 209-mal da, „Augenhöhe“ 41-mal, „Vertrauen“ 30-mal, „Spielchen“ 12-mal. Menschen, die es ernst meinen, beschreiben sich also durchaus. Sie benutzen dafür nur nicht das Wort, nach dem gesucht wird.

Das ist kein Zufall und kein Sprachdetail. Seriosität ist keine Angabe, die jemand über sich machen kann. Sie ist ein Verhalten, und Verhalten wird erst sichtbar, wenn etwas auf dem Spiel steht.

Drei verschiedene Fragen — dieser Beitrag beantwortet die dritte

Wo treffe ich überhaupt Männer, die zu mir passen? Das ist die Frage nach Orten, Profil und erstem Kontakt. Sie steht im Beitrag Männer kennenlernen ab 40.

Ist dieser Kontakt gefährlich? Das ist die Sicherheitsfrage — Betrugsmuster, Geldforderungen, erfundene Identitäten. Sie beantwortet der Hilfeartikel Wie erkenne ich unseriöse Kontakte?.

Meint er es ernst? Das ist die Frage hier. Sie hat mit Gefahr nichts zu tun. Die meisten Kontakte, die im Sande verlaufen, verlaufen nicht im Sande, weil jemand böse Absichten hatte — sondern weil zwei Menschen Verschiedenes wollten und es keiner ausgesprochen hat.

Warum „seriös“ kein Merkmal ist, das ein Profil tragen kann

Die Paarforschung hat für diesen Unterschied zwei Begriffe. Eli Finkel und Kollegen unterscheiden in ihrer großen Übersichtsarbeit zum Online-Dating zwischen searchable attributes und experiential attributes — zwischen dem, was sich in einem Profil angeben und filtern lässt, und dem, was erst im Umgang miteinander entsteht. Einkommen und Religion gehören zur ersten Gruppe, Humor und Zusammenklang zur zweiten. Ihr Befund: Online-Dating zwingt Menschen dazu, nach der ersten Sorte zu suchen, obwohl die zweite über den Ausgang entscheidet (Finkel, Eastwick, Karney, Reis & Sprecher 2012, Psychological Science in the Public Interest 13(1), 3–66).

Verlässlichkeit gehört eindeutig zur zweiten Gruppe. Sie zeigt sich daran, wie jemand mit einer Verabredung umgeht, die verschoben werden muss, mit einem Nein, mit einer Woche Funkstille. Nichts davon steht in einem Profil, und nichts davon lässt sich in der ersten Nachricht unterbringen — auch nicht mit dem besten Willen.

Dieselben Autoren halten übrigens fest, dass es keinen belastbaren Beleg dafür gibt, dass die Rechenverfahren der Partnervermittlungen bessere Paare zusammenbringen als andere Wege. Wer also hofft, eine Plattform könne Seriosität für ihn vorsortieren, hofft auf etwas, das bisher niemand gezeigt hat. Was eine Plattform leisten kann, ist Zugang und ein Rahmen — nicht die Beurteilung eines Menschen, den sie ebenfalls nur aus seinen Angaben kennt.

Was Menschen ankreuzen, wenn man sie direkt fragt

Herzwandler stellt die Frage im Profil ausdrücklich. Im Feld „Ich suche nach“ kann jedes Mitglied mehrere Angaben machen — von „Ernsthafte Beziehung“ über „Freundschaft“ bis „Etwas Lockeres“. 3.467 aktive Mitglieder haben dort etwas eingetragen. Die Verteilung ist deutlicher, als die meisten vermuten würden:

  • „Mal sehen was passiert“: 2.836 Menschen — 81,8 Prozent
  • „Ernsthafte Beziehung“: 844 — 24,3 Prozent
  • „Freundschaft“: 297 · „Etwas Lockeres“: 117 · „Tantra-Partner/in“: 103 · „Spirituelle Freundschaft“: 61 · „Ich suche nicht“: 29

Vier von fünf Mitgliedern dieser Plattform sagen also von sich: Ich weiß es noch nicht. Und das ist keine Unverbindlichkeit, sondern die ehrlichste Auskunft, die man am Anfang geben kann. Wer im ersten Schritt schon weiß, dass er mit genau diesem fremden Menschen eine Beziehung will, weiß es nicht — er hat es sich vorgenommen.

Interessanter wird es beim Vergleich zwischen Männern und Frauen, weil dort die stillschweigende Annahme hinter der ganzen Suchanfrage steckt: dass Männer die weniger verbindliche Hälfte seien.

Schon gewusst? Eine Zahl, die sich beim Nachrechnen auflöst

Roh gezählt kreuzen Männer „Ernsthafte Beziehung“ häufiger an als Frauen: 383 von 1.192 (32,1 %) gegenüber 456 von 1.598 (28,5 %). Das sieht nach einem Befund aus — und ist keiner.

Denn Männer setzen im Schnitt 1,43 Haken, Frauen nur 1,18. Sie kreuzen schlicht mehr an, auch „Mal sehen was passiert“. Vergleicht man nur die Menschen, die sich auf eine Angabe festgelegt haben, dreht sich das Bild um: Frauen 311 von 1.423 (21,9 %), Männer 173 von 930 (18,6 %).

Beide Unterschiede sind klein und liegen mit z = 2,05 beziehungsweise z = 1,91 an der Grenze des Zufalls — und sie zeigen in entgegengesetzte Richtungen. Was man herausbekommt, hängt davon ab, wie man zählt. Genau das ist die Auskunft: Das Ankreuzfeld sagt über Ernsthaftigkeit nichts. Weder über seine noch über ihre.

Der laute Auftakt: gemessen an 11.132 Nachrichten

Es gibt eine zweite verbreitete Annahme, und die ließ sich bei uns direkt messen. Sie lautet: Ein Mann, der es ernst meint, zeigt das am Anfang — er schreibt viel, er antwortet sofort, aus dem ersten Abend wird ein Nachtgespräch.

Grundlage der Auszählung sind 11.132 Textnachrichten von 598 Menschen in 2.414 Kontakten. 454 dieser Kontakte sind beidseitig, es haben also beide geschrieben. Von diesen wiederum kamen 266 über fünf Nachrichten hinaus, waren also ein echtes Gespräch. Wir haben sie danach sortiert, wie viele Nachrichten am ersten Tag fielen — und dann nachgesehen, welche davon einen Monat später noch lebten.

Wie wir Nachrichten auswerten

Zahlen zu Nachrichten auf Herzwandler sind reine Statistik auf Metadaten-Ebene: wie viele Nachrichten verschickt werden, zu welcher Uhrzeit, ob und wann eine Antwort folgt. Den Inhalt einer Nachricht lesen wir für solche Auswertungen nicht, werten ihn nicht aus und veröffentlichen ihn nie.

  • Leiser Auftakt (1–2 Nachrichten am ersten Tag): 157 Kontakte. 40 davon liefen 30 Tage oder länger — 25,5 Prozent. Im Mittel 13,9 Nachrichten über 80,1 Tage.
  • Mittlerer Auftakt (3–5 am ersten Tag): 50 Kontakte, 11 davon ab 30 Tagen — 22,0 Prozent.
  • Lauter Auftakt (6 und mehr am ersten Tag): 59 Kontakte. Nur 6 liefen 30 Tage oder länger — 10,2 Prozent. Im Mittel 79,6 Nachrichten über 27,5 Tage.

Der Unterschied zwischen dem leisen und dem lauten Auftakt liegt bei z = 2,45 und damit außerhalb des Zufallsbereichs. Die zweite Zeile der lauten Gruppe ist dabei aufschlussreicher als die erste: Sechsmal so viele Nachrichten in einem Drittel der Zeit. Ein lauter Auftakt erzeugt keine Verbindung, er erzeugt Betrieb — und brennt dann ab.

Zwei Einschränkungen gehören dazu, und zwar hierher und nicht ans Ende. Erstens ist das eine kleine, besondere Plattform: 266 Gespräche sind keine repräsentative Stichprobe des Datings in Deutschland. Zweitens sagt die Zahl nichts über einen einzelnen Mann. Sie sagt nur, dass die Intensität des Anfangs in die falsche Richtung zeigt, wenn man sie als Versprechen liest. Wer den Berichten aus unserer Community nachgeht, findet dasselbe Muster erzählt statt gezählt — etwa in Drei Tage keine Antwort — und dann wurde es doch einer der besten Kontakte.

Der psychologische Name für die zugespitzte Form des lauten Auftakts steht im Dating-Lexikon: Love Bombing. Die leisere und viel häufigere Variante heißt Future Faking: gemeinsame Pläne, die ausgemalt und nie terminiert werden. Beide sehen am Anfang wie besonderes Interesse aus. Das ist ihr ganzer Zweck.

Woran sich Ernsthaftigkeit tatsächlich zeigt

Wenn Seriosität kein Merkmal ist, sondern Verhalten unter Belastung — dann braucht es Belastung, und die kommt im Kennenlernen ganz von selbst. Drei Situationen tauchen praktisch in jedem Kontakt auf. Sie sind überprüfbar, sie kosten nichts, und sie liegen alle nach dem Punkt, an dem die meisten schon entschieden haben.

1. Der erste konkrete Vorschlag

Irgendwann muss jemand ein Datum nennen. Nicht „wir sollten uns mal treffen“, sondern „Donnerstag, achtzehn Uhr, das Café an der Ecke“. Achte weniger darauf, wer ihn macht, als darauf, was passiert, wenn er nicht passt. Ein Mensch, der es ernst meint, nennt eine Alternative. Ein Mensch, der es nicht ernst meint, sagt „schade“ und schreibt drei Tage später wieder über das Wetter.

2. Das erste Nein

Sag irgendwann etwas, das nicht gefällt. Kein Streit — eine Grenze. Keine Sprachnachricht vor neun. Kein Foto. Noch kein Telefonat. Wie jemand ein Nein aufnimmt, ist die belastbarste Auskunft, die man in den ersten Wochen bekommen kann, und sie kommt in Sekunden. Nimmt er es an, ohne es zu verhandeln, ist das mehr wert als jedes Kompliment. Verhandelt er es — „nur dieses eine Mal“, „ich dachte, Du magst das“ —, hast Du die Antwort schon in Woche zwei statt in Monat vier.

3. Die erste Lücke

Irgendwann schreibt einer von beiden drei Tage nicht. Entscheidend ist nicht die Lücke, sondern ihr Ende: Kommt eine Erklärung von selbst, oder kommt sie erst auf Nachfrage — oder gar nicht? Das langsame Verschwinden hat einen eigenen Namen und ein eigenes Muster; wer es kennt, erkennt es beim zweiten Mal früher. Das Modul Warum meldet sich niemand mehr? geht den Verlauf durch.

Was keine Auskunft über Ernsthaftigkeit ist

Antwortgeschwindigkeit · Nachrichtenlänge · Komplimente · die Aussage „ich suche etwas Ernstes“ · ein vollständig ausgefülltes Profil · gute Fotos · frühe Zukunftspläne · dass er als Erster schreibt. Nichts davon ist verdächtig — es ist nur unspezifisch. Alle acht Dinge tut jemand, der es ernst meint, und jemand, der es nicht tut, genauso.

Die Abkürzung: über das Ziel reden statt über die Absicht

Es gibt einen Weg, der die drei Situationen oben nicht ersetzt, aber abkürzt — und er besteht nicht darin, nach Absichten zu fragen. „Was suchst Du hier?“ ist eine Frage, auf die es nur eine höfliche Antwort gibt.

Nützlicher ist, über eine Lage zu sprechen statt über eine Absicht. Ein gewöhnlicher Dienstagabend in einem Jahr: Wo seid Ihr, jeder für sich oder zusammen? Genau auf diesem Prinzip arbeitet der Zielbild-Vergleich im Beziehungskurs: zehn Fragen, die Situationen beschreiben statt Eigenschaften, eine Zahlenfolge zum Weitergeben, und ein Vergleich, den beide getrennt aufrufen und bei dem beide dasselbe sehen. Er gibt bewusst keine Prozentzahl aus, sondern zählt: in wie vielen Punkten Ihr einig seid und in welchem nicht.

Wer lieber ohne Werkzeug arbeitet, findet in unserer Fragensammlung Fragen für den Chat die gleiche Idee in Gesprächsform — samt der Gruppe von Fragen, die man besser nicht stellt. Und wenn Ihr ohnehin gerade dabei seid, herauszufinden, ob das hier etwas wird: Der Hilfeartikel Wie lerne ich jemanden wirklich kennen? fasst zusammen, welche Schritte auf der Plattform dafür da sind.

Wie lange das dauern darf

Die kurze Antwort: länger, als es sich anfühlt. Unsere 454 beidseitigen Kontakte liefen im Mittel 71,9 Tage zwischen erster und letzter Nachricht — und 88 von ihnen überschritten die Dreißig-Tage-Marke. Das ist kein Werbebefund, sondern eine Warnung vor der eigenen Ungeduld: Die Frage „meint er es ernst?“ ist nach zwei Wochen in aller Regel nicht beantwortbar, egal wie viel geschrieben wurde.

Das Kursmodul Wie lange dauert das Kennenlernen? geht der Frage nach, was in dieser Zeit eigentlich passiert und was von der Verliebtheit übrig bleibt, wenn sie abklingt. Und eine Beobachtung aus dem Erfahrungsbereich passt dazu: In der Statistik-Erhebung zur Verbindlichkeit ab 45 steht, dass sich Verbindlichkeit bei vielen erst mit der Lebensphase einstellt — nicht als Charakterfrage, sondern als Frage dessen, was gerade sonst noch los ist.

Wenn das Wort „unseriös“ doch gemeint ist

Alles bisher betrifft Menschen mit guten Absichten, die Verschiedenes wollen. Es gibt daneben die kleinere, aber reale Gruppe derer, die etwas anderes vorhaben — Geld meistens. Dafür gelten andere Regeln als die drei Situationen oben, und sie stehen nicht in diesem Beitrag, sondern dort, wo sie gepflegt werden: im Hilfeartikel Wie erkenne ich unseriöse Kontakte?. Eine ehrliche Einordnung, wie wir selbst mit dem Wort umgehen, steht im Erfahrungsbereich unter Ist Herzwandler seriös?.

Der Unterschied ist wichtig, weil er die Prüfhaltung verändert. Bei Betrug hilft Misstrauen. Beim Kennenlernen schadet es — dort hilft Geduld und die Bereitschaft, eine Lage auszusprechen, statt sie zu erraten. Wer beides verwechselt, prüft den falschen Menschen.

Was dieser Beitrag nicht leistet

Er liefert keine Liste, an der sich ein Mensch vorab einsortieren lässt — und das ist der ganze Punkt. Er sagt auch nicht, dass Männer schwerer zu durchschauen wären als Frauen; unsere eigenen Zahlen geben das nicht her. Und er ersetzt kein Bauchgefühl bei Kontakten, die sich falsch anfühlen: Dieses Gefühl ist kein Vorurteil, sondern eine Wahrnehmung, und für sie gibt es die Frage nach den Mustern und den Hilfebereich.

Welche Fragen in dieser Phase tragen, steht in Fragen in der Kennenlernphase.

Drei Sätze zum Mitnehmen

Seriosität ist kein Merkmal, das jemand hat, sondern ein Verhalten, das erst unter Reibung sichtbar wird. Der laute Auftakt ist dabei nach unseren Zahlen eher ein Gegenanzeichen als ein Versprechen — und was Menschen im Profil ankreuzen, sagt darüber nichts, in keine Richtung.

Bleibt der unbequeme Teil: Du erfährst es nicht vorher. Du erfährst es am ersten Terminvorschlag, am ersten Nein und an der ersten Lücke — und bis dahin vergehen Wochen. Die gute Nachricht ist, dass diese Wochen ohnehin vergehen. Die Frage ist nur, ob Du in ihnen auf ein Zeichen wartest oder hinsiehst.

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Der Beziehungskurs

22 Module durch alle vier Jahreszeiten einer Bindung.

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Über den Autor

Dieser Blog-Beitrag wurde mit sehr viel Sorgfalt verfasst von:

Dr.-Ing. Erik Neitzel
Dr.-Ing. Erik NeitzelPromovierter Wissenschaftler · Gründer von Herzwandler

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