Erfunden 1971 — und trotzdem einen Blick wert
Heute gilt Eberesche (20 Tage im Jahr). Das Jahr geht in die Rechnung nicht ein, nur Tag und Monat.
Fast jede Seite zu diesem Thema schreibt, die Kelten hätten ihren Kindern Bäume zugeordnet. Das lässt sich weder durch antike noch durch mittelalterliche Quellen belegen. Was sich dagegen sehr genau belegen lässt, ist, wann und von wem das Baumhoroskop erfunden wurde:
Im polnischen Gartenkalender wurde aus dem Zürgelbaum (Celtis australis) die Zeder. Der Zürgelbaum ist in Frankreich verbreitet und in Polen unbekannt — genau so entsteht ein solcher Fehler.
Und er ist mehr als eine Anekdote: Die Zeder war den Kelten unbekannt. Die erste Libanon-Zeder kam 1646 nach Europa. Der Fehler lässt sich nur mit einer französischen Vorlage erklären — deshalb war er vor Gericht der Beleg.
In fast jedem deutschen Baumhoroskop steht bis heute die Zeder. Bei uns steht der Zürgelbaum, und die Zeder daneben mit dem Grund.
Die ganze Geschichte steht in Modul 2 — mit den Quellen, in denen sie nachzulesen ist.
Zeichnet man den Baumkreis so, wie ihn alle zeichnen — einundzwanzig gleich große Stücke —, sieht er aus wie ein gewachsenes System. Zeichnet man ihn nach der tatsächlichen Zahl der Tage, sieht man etwas anderes:
Eiche, Birke, Ölbaum und Buche umfassen je einen einzigen Kalendertag — den 21. März, den 24. Juni, den 23. September und den 22. Dezember. Das sind Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen. Der Nussbaum kommt dagegen auf 29 Tage, die Pappel auf 28.
Ein gewachsenes System sieht anders aus. Dieses hier wurde entworfen, und die vier Einzeltage sind die Stelle, an der man es sehen kann. Zum großen Baumkreis.
Es gibt eine echte keltische Zeichenreihe. Sie heißt Ogham, ist ab dem 4. Jahrhundert in rund 400 Inschriften belegt und wird an einer Steinkante entlang gelesen. Sie ist eine Schrift, kein Kalender — fast alle erhaltenen Inschriften sind Namen.
Robert Graves hat daraus 1948 einen Baumkalender gemacht. Wie gut das passt, lässt sich zählen: Von den 20 Namen der Reihe sind 7 eindeutig Bäume, weitere 4 unklar — höchstens 8 also. Die übrigen heißen „Schrecken", „Metallbarren", „Feld", „Tötung", „Schwefel" und „Röte".
Kein anderer deutscher Anbieter des Baumhoroskops erwähnt Ogham überhaupt. Hier steht die ganze Reihe, mit dem echten Namen neben dem, was Graves daraus machte.
Jedes hat eine eigene Seite: das Stichwort der Überlieferung, gleich viele Stärken wie Schattenseiten, was über den Baum botanisch bekannt ist — und was bei den Kelten belegt ist, oder dass nichts belegt ist.
Wer mehr will als sein Tier: Die ersten beiden Stufen sind frei, die Module danach gehören zur Vollmitgliedschaft.
21 Zeichen, die meisten zweimal im Jahr, vier davon an genau einem Tag. Wer das aufzeichnet, sieht sofort, dass hier nichts gewachsen ist.
Robert Graves 1948, Paula Delsol 1971, ein polnischer Gartenkalender — und ein Bundesgerichtshof, der die Sache 1991 aktenkundig gemacht hat.
Die Eibe war bei den Kelten nachweislich heilig und kommt im Horoskop nicht vor. Die Zeder kam 1646 nach Europa und steht bis heute drin.
Zwanzig Zeichen, in Stein geritzt, ab dem 4. Jahrhundert belegt. Wie viele davon Bäume sind, lässt sich zählen: höchstens acht.
Jedes Zeichen hat ein Stichwort. Was ein Stichwort leistet und was es nicht leistet — und warum bei uns neben jeder Stärke gleich viele Schattenseiten stehen.
Forer, 1949, 39 Studierende, Durchschnittsnote 4,26 von 5 für ein Zeugnis, das alle gleich bekommen hatten. Die Gegenprobe kannst Du hier selbst machen.
Beidseitige Freigabe, sonst nichts. Was dabei geteilt wird, ist ein Wort — und was daraus rückrechenbar ist, steht nachgerechnet im Text.
In Deutschland und Österreich stehen Dutzende angelegter Baumkreise. Bei einem davon musste die Gemeinde Wien das Wort „keltisch" von der Tafel nehmen lassen.
Der Abschluss. Die ehrliche Antwort ist: nichts — und warum das kein Grund ist, den Rest wegzuwerfen.
Baumrechner Der Baumkreis Ogham-Tafel Die Tabelle Zu zweit Mein Baum
Das Datum ist überprüfbar. Die Herkunft ist belegt. Die Deutung ist ein Angebot. Die Tabelle der Zeiträume, die Tageszahl jedes Zeichens und die Verteilung im eigenen Mitgliederbestand sind gerechnet; jeder Schritt steht offen da. Was den Zeichen zugeschrieben wird, stammt aus einer alten Tradition — und wir schreiben „gilt als" und „wird zugeschrieben", nicht „bedeutet".
Zwei Dinge sagen wir deshalb ausdrücklich: Das Wort „keltisch" ist eine Zuschreibung von 1971 und keine Überlieferung. Und keine Zahl auf dieser Seite sagt etwas über Deine Zukunft.
Aus Tag und Monat der Geburt — das Jahr braucht es nicht. Der Baumkalender steht jedes Jahr gleich: Wer am 4. Juni geboren ist, hat immer dieselbe Hainbuche, ganz gleich in welchem Jahr.
Weil die Tabellen im Netz Lücken haben. Beim größten deutschen Anbieter fehlen zehn Tage — der 4. bis 13. Juni ist dort keinem Zeichen zugeordnet. Unsere Tabelle wird bei jeder Änderung nachgerechnet: 365 Tage, jeder genau einmal belegt.
Weil vier Zeichen genau einen Kalendertag umfassen: Eiche, Birke, Ölbaum und Buche liegen auf den Tagen der Sonnenwenden und der Tagundnachtgleichen. Die übrigen siebzehn gelten für zwanzig Tage und mehr. Bei uns steht diese Zahl in jedem Ergebnis — sonst sähen alle Zeichen gleich groß aus, und das sind sie nicht.
Nein. Das Baumhoroskop kennt nur Tag und Monat. Wer nach der Uhrzeit gefragt wird, wird nach etwas gefragt, das in der Rechnung nicht vorkommt.
Nein. Der Baum hängt allein am Kalendertag. Dass viele Anbieter danach fragen, macht es nicht richtig.
Nein, und das ist belegt: Die Reihe der 21 Bäume erschien 1971 als „Horoscopes Gaulois" von Paula Delsol in der französischen Zeitschrift Marie Claire. Im Urheberrechtsstreit vor dem Bundesgerichtshof (Az. I ZR 7/90, 27.06.1991) musste die Herkunft der deutschen Fassung offengelegt werden. Das macht die Deutungen nicht wertlos — es macht sie zu einer Erfindung von 1971.
Nein. Gerechnet ist das Datum, überliefert ist die Deutung. Was den Zeichen zugeschrieben wird, stammt aus dieser Reihe von 1971 und sagt nichts darüber, wie ein Mensch ist oder was ihm bevorsteht.
Wenn das hier jemandem hilft: Die Adresse kostet nichts und verlangt kein Konto.
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