Synastrie: was sie vergleicht — und was 1.378 echte Kontakte zeigen

Eine Synastrie enthält im Mittel 27 Aspekte — und genau das ist der Haken: Die Zahl folgt aus der Rechenregel, nicht aus dem Paar. Wir haben die beiden berühmtesten Verbindungen an 1.378 echten Kontakten nachgerechnet.

Eine Synastrie, so liest man es überall, zeigt Dir, wie zwei Menschen zueinander stehen. Zwei Horoskope werden übereinandergelegt, die Winkel zwischen den Planeten ausgewertet, und am Ende heißt es: viele harmonische Aspekte, das passt. Wenig harmonische Aspekte, das wird anstrengend.

Das ist die Annahme. Sie hat einen Haken, den man nur sieht, wenn man nachzählt: Die Zahl der Aspekte in einer Synastrie sagt fast nichts über das Paar aus — sie ist eine Eigenschaft der Rechenregel. Wir haben das an 1.378 echten Kontakten aus unserem eigenen Mitgliederbestand nachgerechnet. Was dabei herauskam, steht weiter unten, und es ist nicht das, was die meisten Synastrie-Seiten erwarten lassen.

Was eine Synastrie überhaupt vergleicht

Ein Partnerhoroskop im Netz vergleicht meistens zwei Sternzeichen. Eine Synastrie tut etwas anderes: Sie nimmt zwei vollständige Geburtshoroskope und misst die Winkel zwischen den Planeten der einen und den Planeten der anderen Person. Deine Venus zum Mars des anderen, seine Sonne zu Deinem Mond, und so fort.

Die Tradition wertet fünf Winkel aus: 0 Grad (Konjunktion), 60 Grad (Sextil), 90 Grad (Quadrat), 120 Grad (Trigon) und 180 Grad (Opposition). Ein Winkel muss dabei nicht exakt stimmen — er zählt, wenn er nahe genug dran ist. Diese Toleranz heißt Orbis, und wie groß sie angesetzt wird, entscheidet jeder Rechner für sich. Sechs Grad sind verbreitet, acht auch, manche nehmen zehn. Warum das kein Detail ist, sondern der eigentliche Stellhebel, steht im Kursmodul Welche Aspekte tragen, welche reiben?.

Wer wissen will, wie die Deutung der einzelnen Verbindungen zustande kommt und warum am Ende trotzdem keine Prozentzahl steht, findet das im Modul Was ist eine Synastrie?. Dieser Beitrag geht einer anderen Frage nach: Was kommt heraus, wenn man die Methode auf Menschen anwendet, die einander tatsächlich geschrieben haben?

Die Zahl, die mehr über die Methode verrät als über das Paar

Nimmt man die zehn klassischen Planeten — Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto —, dann gibt es zwischen zwei Horoskopen genau 100 mögliche Planetenpaarungen. Zehn auf Deiner Seite, zehn auf seiner.

Wir haben für alle 1.378 Kontakte, bei denen beide Seiten ein gerechnetes Horoskop hinterlegt haben, diese 100 Paarungen durchgezählt. Orbis sechs Grad, die fünf klassischen Winkel.

Ergebnis: im Mittel 26,72 Aspekte je Paar. Das niedrigste Paar hatte 12, das höchste 42, die Streuung liegt bei 4,5.

Und jetzt die Rechnung, die daneben gehört. Die fünf Winkel decken zusammen einen bestimmten Teil des Kreises ab: um 0 Grad sechs Grad Spielraum, um 180 Grad ebenfalls sechs, um 60, 90 und 120 Grad je zwölf. Zusammen 48 von 180 möglichen Grad Abstand. Das sind 26,67 Prozent. Bei 100 Paarungen also 26,67 Aspekte — für zwei beliebige Horoskope, ohne dass die beiden Menschen etwas miteinander zu tun haben müssten.

Beobachtet 26,72. Rechnerisch erzwungen 26,67. Die Zahl der Aspekte in einer Synastrie ist keine Auskunft über eine Verbindung. Sie ist das, was zwangsläufig herauskommt, wenn man 100 Winkel gegen fünf Zielwerte mit Toleranz prüft.

Schon gewusst?

Für 2.749 Herzwandler-Mitglieder liegt ein vollständig gerechnetes Horoskop vor. Bei 3.195 Kontakten haben sich zwei Menschen geschrieben; bei 1.378 davon ist auf beiden Seiten ein Horoskop vorhanden. Das ist die Grundlage aller Zahlen in diesem Beitrag. Ausgewertet wurden ausschließlich Planetenstände und die Angabe, wer mit wem einen Kontakt hat — kein Nachrichtentext, keine Namen, nichts, was auf einen einzelnen Menschen zurückführt.

Venus und Mars, an 1.378 Kontakten geprüft

Wenn ein Aspekt in der Synastrie als der Anziehungsaspekt gilt, dann dieser: Venus des einen im Winkel zum Mars des anderen. Kaum eine Deutungsseite kommt ohne ihn aus.

Prüfbar ist er, und zwar so: Wir zählen, bei wie vielen der 1.378 Kontakte mindestens eine Venus-Mars-Verbindung besteht — in beide Richtungen, Orbis sechs Grad. Dann brauchen wir eine Vergleichsmenge. Dafür behalten wir exakt dieselben Menschen und exakt ihre Beteiligungshäufigkeit bei, vertauschen aber die Partner: Jede linke Seite wird mit jeder fremden rechten Seite verglichen. Das ergibt 1.897.506 Vergleichspaare, die es so nie gegeben hat.

  • Bei den echten Kontakten: 622 von 1.378 = 45,1 Prozent
  • In der Vergleichsmenge: 47,9 Prozent

Die echten Kontakte liegen also 2,8 Prozentpunkte darunter. Das entspricht 2,06 Standardabweichungen — knapp jenseits der üblichen Zufallsgrenze, aber in die falsche Richtung: Wäre Venus-Mars ein Anziehungsaspekt, müsste er häufiger vorkommen, nicht seltener.

Und dann kippt er ohnehin. Mit vier Grad Orbis liegt die Abweichung bei 1,07 Standardabweichungen, mit acht Grad bei 1,45, und betrachtet man nur die Konjunktion, dreht sich das Vorzeichen um (plus 0,43). Ein Befund, der bei jeder zweiten Einstellung verschwindet, ist keiner. Er ist Rauschen mit Nachkommastelle.

Sonne und Mond, an 521 Kontakten geprüft

Die zweite berühmte Verbindung: Sonne des einen zum Mond des anderen. Hier wird die Datenlage dünner, und zwar aus einem Grund, der es wert ist, genannt zu werden. Der Mond läuft schnell — gut dreizehn Grad am Tag. Ohne Geburtszeit lässt sich bei etwa jedem zweiten Menschen nicht sicher sagen, in welchem Zeichen er steht. Von unseren 2.749 gerechneten Horoskopen ist das Mondzeichen nur bei 1.552 eindeutig. Dieselbe Uhrzeit-Frage entscheidet auch über den Aszendenten, und dort noch schärfer.

Bleiben 521 Kontakte, bei denen beide Seiten einen gesicherten Mond haben. Dieselbe Rechnung, dieselbe Vergleichsmethode, 270.920 Vergleichspaare:

  • Bei den echten Kontakten: 216 von 521 = 41,5 Prozent
  • In der Vergleichsmenge: 39,5 Prozent

Plus 2,0 Prozentpunkte, also 0,91 Standardabweichungen. Mit vier Grad Orbis: 0,09. Mit acht Grad: 1,08. Nichts davon ist eine Aussage.

Der Fehler, den wir dabei fast gemacht hätten

Beim ersten Anlauf haben wir die Vergleichsmenge anders gebaut — naheliegend und falsch. Statt die Beteiligungshäufigkeit beizubehalten, haben wir einfach alle möglichen Paare unter den beteiligten Menschen gebildet: 446 Personen, 99.235 Paare, jede Person gleich gewichtet.

Damit sah es plötzlich so aus, als hätten Menschen mit Sonne-Mond-Aspekt seltener Kontakt: 41,5 gegen 47,2 Prozent, minus 5,8 Prozentpunkte, 2,63 Standardabweichungen. Eine Zahl, aus der sich bequem eine Überschrift bauen ließe.

Sie ist ein Artefakt. Auf einer Partnerbörse sind die Menschen sehr unterschiedlich aktiv: Einzelne stehen in zweistellig vielen Kontakten, die meisten in einem oder zweien. Wer viele Kontakte hat, bringt sein Horoskop entsprechend oft in die Auswertung ein — und prägt sie. Eine Vergleichsmenge, in der jeder gleich zählt, bildet das nicht ab und erzeugt eine Abweichung, die mit Astrologie nichts zu tun hat. Sobald die Vergleichsmenge die tatsächliche Beteiligung nachbildet, bleibt von den 2,63 Standardabweichungen 0,91 übrig.

Wir schreiben das hier hin, weil dieser Unterschied zwischen einem Befund und einer Schlagzeile entscheidet — und weil man ihm bei keiner Zahl ansieht, dass er gemacht wurde.

Was dieser Beitrag beantwortet — und was woanders steht

Hier geht es um die Methode und ihre Prüfung: Wie viele Aspekte eine Synastrie enthält, warum diese Zahl nichts bedeutet, und was passiert, wenn man die berühmten Verbindungen an echten Kontakten misst.

Partnerhoroskop: was es kann und was nicht behandelt die Verbraucherseite — was im Netz unter diesem Wort verkauft wird, warum dort meist gar kein Horoskop gerechnet wird und was zehn Millionen geprüfte Ehen dazu sagen.

Die Deutung der einzelnen Verbindungen steht im Kurs, im Modul Was ist eine Synastrie? — samt der Frage, was aus zwei Horoskopen ein drittes macht.

Was eine Synastrie trotzdem kann

Aus alldem folgt nicht, dass man sie sich sparen sollte. Es folgt nur, dass sie etwas anderes leistet, als draufsteht.

Eine Synastrie ist ein Vokabular für Unterschiede. Sie benennt, an welcher Stelle zwei Menschen verschieden gebaut sind, und sie tut das ohne Schuldzuweisung. „Dein Mond braucht Ruhe, seiner braucht Bewegung" ist eine Beschreibung, über die sich reden lässt. „Du bist zu anstrengend" ist keine. Das ist kein kleiner Unterschied, wenn zwei Menschen gerade anfangen, sich kennenzulernen.

Sie ist außerdem ein Gesprächsanlass mit Struktur — und genau als solcher funktioniert sie auf einer Plattform gut. Was wir bei Herzwandler beobachten, passt dazu: Gespräche beginnen hier oft langsamer, halten dafür länger, wie der Erfahrungsbericht Warum Gespräche auf Herzwandler oft langsamer beginnen beschreibt. Ein Thema, das über die ersten Höflichkeiten hinausträgt, ist dabei mehr wert als jede Prozentzahl.

Was sie nicht kann: vorhersagen, ob aus einem Kontakt etwas wird. Das haben wir oben an 1.378 Fällen gesehen — und es entspricht dem, was auch die Auswertung aller 78 Zeichenpaare in unserem Bestand zeigt.

Wenn Du eine rechnen willst

Du brauchst drei Dinge, von beiden Seiten: Geburtsdatum, Geburtszeit und Geburtsort. Das Datum allein reicht für Sonne, Merkur, Venus, Mars und die äußeren Planeten. Für Mond, Aszendent und Häuser brauchst Du die Uhrzeit — steht sie nicht in der Geburtsurkunde, ist sie beim Standesamt des Geburtsorts zu erfragen.

Und falls Dich beim Vergleich vor allem der Aszendent interessiert: Was er über Liebe und Bindung wirklich hergibt, steht in Der Aszendent in der Liebe.

Das Liebeshoroskop im Astrologie-Kurs rechnet den Vergleich kostenlos und zeigt zu jedem Winkel den Rechenweg statt einer Zahl am Ende. Das Geburtshoroskop daneben brauchst Du ohnehin — ohne die beiden Einzelräder gibt es nichts zu vergleichen.

Und der unspektakuläre Weg daneben: Auf Deiner Profilseite lässt sich auf einen Blick sehen, was Du mit einem anderen Mitglied gemeinsam hast. Das ist keine Astrologie, aber es beantwortet dieselbe Frage schneller.

Häufige Fragen

Ist eine Synastrie dasselbe wie ein Partnerhoroskop?

Im strengen Sinn ja, im Sprachgebrauch nein. „Synastrie" bezeichnet den Vergleich zweier vollständiger Horoskope. „Partnerhoroskop" heißt im Netz meistens etwas viel Einfacheres: ein Vergleich zweier Sternzeichen. Worin der Unterschied praktisch besteht, steht in unserem Beitrag zum Partnerhoroskop.

Warum gibt es hier keine Prozentzahl?

Weil sich rund 27 Aspekte nicht ohne Willkür zu einer Zahl verrechnen lassen. Jede Prozentangabe setzt voraus, dass jemand festgelegt hat, wie viel ein Trigon wert ist und wie viel ein Quadrat kostet. Diese Gewichtung ist gesetzt, nicht hergeleitet — und wird auf den Seiten, die damit werben, nirgends offengelegt.

Geht eine Synastrie ohne Geburtszeit?

Teilweise. Sonne, Merkur, Venus, Mars und die äußeren Planeten stehen fest. Der Mond ist bei etwa jedem zweiten Geburtsdatum unsicher, Aszendent und Häuser fallen ganz weg. Die Auswertung wird dadurch nicht falsch, sondern kürzer — sie sollte es nur sagen.

Heißt das Ergebnis, dass Astrologie nicht funktioniert?

Nein. Gemessen wurde eine eng umrissene Frage: Kommen zwei bestimmte Aspekte bei Menschen, die einander geschrieben haben, häufiger vor als bei zufällig zusammengestellten Paaren derselben Gruppe? Die Antwort ist nein. Über Deutung, Selbsterkenntnis oder den Wert eines Gesprächs sagt das nichts — dazu gibt es keine Messung, auch keine gegenteilige. Was ein Sonnenzeichen für sich genommen hergibt, ordnet das Modul Warum sagt Dein Sternzeichen so wenig über Dich? ein.

Kann ich das mit jemandem hier auf der Plattform machen?

Ja, aber nur beidseitig. Der Vergleich im Kurs läuft erst, wenn beide ihre Zeichen freigegeben haben; das Geburtsdatum des anderen wird dabei nicht einmal geladen. Ob und wie Mitglieder einander überhaupt vorgeschlagen werden, erklärt der Hilfeartikel Werden Mitglieder immer gegenseitig vorgestellt?. Und wenn Du das Ergebnis als Gesprächseinstieg nutzen willst, helfen ein paar gute Fragen fürs erste Date mehr als jeder Aspekt.

Gibt es dieselbe Prüfung für die Numerologie?

Ja, mit demselben Aufbau und einem ähnlichen Ergebnis: Vier Liebesrechner-Verfahren, 1.985 echte Paare — und drei verschiedene Ergebnisse.

Auch hier entsteht alles aus Geburtsdatum und -zeit, kostenlos und ohne Konto: Human Design Chart berechnen.

Dieselbe Prüfung für die Numerologie: Ob Lebenszahl-Paare, die als leicht gelten, öfter zueinanderfinden oder öfter ins Gespräch kommen, zeigt Welche Lebenszahlen passen zusammen? An 2.007 Kontakten geprüft.

Auch die chinesische Tradition hat Regeln für Paare, und sie sind älter als jede Prozentzahl: Dreiergruppen, Gegentiere, „geheime Freunde". Was die Tradition über Paare sagt stellt sie nebeneinander, statt sie zu glätten.

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Über den Autor

Dieser Blog-Beitrag wurde mit sehr viel Sorgfalt verfasst von:

Dr.-Ing. Erik Neitzel
Dr.-Ing. Erik NeitzelPromovierter Wissenschaftler · Gründer von Herzwandler

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